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Weather Witch

Wetter-Brauchtum

Teru Teru Bozu: Die japanische Schönwetterpuppe einfach erklärt

Ein Teru Teru Bozu ist eine kleine weiße Puppe aus Papier oder Stoff, die man in Japan am Vorabend eines wichtigen Tages ans Fenster oder unter die Dachtraufe hängt, um sich schönes Wetter zu wünschen. Der Name bedeutet etwa „scheine, scheine, kleiner Mönch“. Hängt man sie kopfüber auf, soll sie Regen bringen.

Vom Weather Witch-Team · Aktualisiert am 4. Oktober 2026 · 7 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Teru Teru Bozu (照る照る坊主) bedeutet sinngemäß „scheine, scheine, Mönch“; der runde weiße Kopf soll an den kahlen Kopf eines buddhistischen Mönchs erinnern.
  • Der Brauch wurde in der Edo-Zeit (1603–1868) unter Stadtbewohnern in Japan populär.
  • Das bekannte Kinderlied „Teru Teru Bōzu“ stammt von 1921, Text von Kyoson Asahara, Musik von Shinpei Nakayama.
  • Kopfüber aufgehängt soll die Puppe Regen statt Sonne bringen; diese Variante heißt regional Fure fure bōzu oder Ame ame bōzu.
  • Bringt die Puppe schönes Wetter, wird sie traditionell mit Sake begossen, als Dank.

Ein Teru Teru Bozu (てるてる坊主) ist eine kleine weiße Puppe aus Taschentuch, Papier oder Stoff, die japanische Kinder am Abend vor einem wichtigen Tag ans Fenster oder unter die Dachtraufe hängen, um sich Sonnenschein zu wünschen. Der Name bedeutet etwa „scheine, scheine, kleiner Mönch“. Der Brauch wurde in der Edo-Zeit (1603–1868) populär, bekam 1921 sein berühmtes Kinderlied und hängt heute nicht nur auf japanischen Balkonen, sondern zunehmend auch auf Hochzeiten in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Wenn bei dir bald ein großer Tag unter freiem Himmel ansteht, ist das einer der einfachsten und charmantesten Wetterbräuche überhaupt. Hier erfährst du, was die Puppe bedeutet, woher sie kommt, was das Lied erzählt und wie du sie in fünf Minuten selbst bastelst.

Was bedeutet Teru Teru Bozu?

Teru Teru Bozu bedeutet wörtlich ungefähr „scheine, scheine, Mönch“. Der Name besteht aus zwei Teilen:

Teil Japanisch Bedeutung
teru teru 照る照る „scheine, scheine“, das Verb für das Scheinen der Sonne
bōzu 坊主 buddhistischer Mönch, umgangssprachlich auch ein Junge mit kahl geschorenem Kopf

Die Puppe ist also ein kleiner „Sonnenmönch“. Der runde, kahle weiße Kopf ist der Mönch, das herabhängende Tuch seine Robe. Man hängt ihn mit einem einfachen Wunsch auf: Bitte lass morgen die Sonne scheinen.

Ein religiöses Objekt im eigentlichen Sinn ist der Teru Teru Bozu nicht. Er ist Volksbrauch, so etwas wie bei uns der Satz „Iss deinen Teller leer, dann gibt's morgen schönes Wetter“. Großeltern bringen ihn Kindergartenkindern bei, gern in der japanischen Regenzeit im Frühsommer. Genau das macht seinen Charme aus: Er kostet nichts außer ein paar Minuten und einem Taschentuch.

Die umgedrehte Variante

Dreh die Puppe um, und du drehst den Wunsch um. Ein kopfüber aufgehängter Teru Teru Bozu soll Regen bringen. Diese Variante heißt regional Fure fure bōzu oder Ame ame bōzu, ungefähr „Regen-Regen-Mönch“. Wer in Japan am Abend vor einem gefürchteten Sportfest heimlich eine Puppe falsch herum aufhängt, weiß genau, was er tut. Wer heiratet, sollte zweimal hinschauen.

Woher kommt der Teru Teru Bozu?

Den ersten Teru Teru Bozu kennt niemand, aber über die groben Linien sind sich viele Quellen einig.

Eine mögliche Wurzel in China

Häufig wird der Brauch mit einer chinesischen Figur verbunden: Saoqing Niang, dem „Besenmädchen, das den Himmel klar fegt“. Der Legende nach bat eine junge Frau um ein Ende verheerender Regenfälle und wurde dafür in den Himmel geholt. Danach hängten Menschen Papierfiguren eines Mädchens mit Besen auf, die die Wolken wegfegen sollten. Die Idee einer aufgehängten Figur, die den Regen vertreibt, wanderte offenbar nach Japan und veränderte dort ihre Gestalt: aus dem Mädchen mit Besen wurde ein kleiner Mönch.

Die Edo-Zeit: ein Brauch der Städter

In der Edo-Zeit (1603–1868) wurde der Teru Teru Bozu laut Wikipedia und japanischen Quellen unter Stadtbewohnern populär. Kinder bastelten die Puppe am Tag vor einem Ereignis, für das sie gutes Wetter brauchten, und baten sie in einem kleinen Spruch um Sonne. Wenn der Wunsch in Erfüllung ging, wurde die Puppe als Dank mit Sake begossen.

Warum ausgerechnet ein Mönch? Eine verbreitete Erklärung lautet, Mönchen habe man zugetraut, mit Gebeten das Wetter zu beeinflussen, und die Puppe habe sich diese Autorität im Miniaturformat geliehen. Das klingt plausibel, ist aber eher eine Geschichte über den Brauch als ein belegter Fakt.

Die Sache mit dem Gesicht

Ein älterer Brauch, den mehrere japanische Quellen beschreiben, sagt: Lass das Gesicht leer und mal es erst auf, wenn die Sonne tatsächlich scheint, als Dankeschön. Das funktioniert wie bei der Daruma-Puppe, bei der man ein Auge beim Wünschen ausmalt und das zweite, wenn der Wunsch wahr wird. Heute malen viele sofort ein lächelndes Gesicht auf. Beides ist in Ordnung. Wer es traditionell mag, wartet.

Was erzählt das Teru-Teru-Bozu-Lied?

Das Kinderlied „Teru Teru Bōzu“ erschien 1921, mit einem Text des Dichters Kyoson Asahara und Musik des Komponisten Shinpei Nakayama. Es wurde in Kindergärten und Schulen gesungen und ist der Hauptgrund, warum fast jeder Erwachsene in Japan es heute noch summen kann.

Inhaltlich ist es ein Handel mit der Puppe, hier sinngemäß zusammengefasst:

  • Die erste Strophe bittet den kleinen Mönch, morgen einen sonnigen Tag zu machen.
  • Wird es schön, bekommt die Puppe eine goldene Glocke.
  • Wird der Himmel klar, darf sie süßen Sake trinken.
  • Regnet es trotzdem, droht die dritte Strophe, ihr den Kopf abzuschneiden.

Ja, wirklich. Diese letzte Strophe wird beim Singen mit kleinen Kindern heute oft weggelassen, und sie ist der Grund, warum die niedliche Puppe im Netz und in manchem japanischen Horrorfilm einen leicht unheimlichen Ruf hat. Historisch klingt sie weniger nach Horror als nach dem nüchternen Kuhhandel, den man aus vielen Wetterbräuchen kennt: Belohnung, wenn es klappt, Strafe, wenn nicht. Den vollständigen Text findest du in japanischen Liederbüchern und Kinderliedsammlungen.

Wie bastelt man einen Teru Teru Bozu?

Du brauchst etwa fünf Minuten und Dinge, die du wahrscheinlich schon zu Hause hast.

Material

  • 2 bis 4 weiße Taschentücher, eine weiße Papierserviette oder ein Quadrat aus weißem Baumwollstoff (etwa 30 × 30 cm für eine kleine Puppe)
  • 1 weiteres Taschentuch, eine Watte- oder Papierkugel für den Kopf
  • Schnur, Band oder ein Gummiband
  • Einen schwarzen Filzstift (optional, für das Gesicht)
  • Faden oder Angelschnur zum Aufhängen

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Den Kopf formen. Knülle ein Taschentuch oder eine Wattekugel zu einer festen Kugel, etwa so groß wie ein Tischtennisball. Größere Köpfe wirken niedlicher, kleinere traditioneller.
  2. Einwickeln. Leg dein großes Quadrat flach hin, setz die Kugel in die Mitte und heb die Ecken an, sodass das Tuch gleichmäßig über die Kugel fällt, wie ein kleines Gespenst.
  3. Den Hals abbinden. Fass das Tuch direkt unter der Kugel zusammen und bind es mit Schnur, Band oder Gummi fest. Die Kugel wird zum Kopf, der Rest zur Robe.
  4. Die Robe zurechtzupfen. Zieh den hängenden Teil gleichmäßig auseinander. Bei Taschentüchern reicht ein sanftes Zupfen an jeder Ecke.
  5. Eine Aufhängeschlaufe anbringen. Zieh mit einer Nadel einen Faden durch die Kopfspitze oder knote eine Schlaufe um den Hals.
  6. Über das Gesicht entscheiden. Jetzt ein Lächeln malen oder dem alten Brauch folgen und warten, bis die Sonne kommt.
  7. Richtig herum aufhängen. Am besten am Abend vor dem Ereignis an ein Fenster, eine Dachtraufe oder einen Balkon mit Blick zum Himmel. Kopf oben heißt Sonne, Kopf unten heißt Regen.
  8. Den Wunsch aussprechen. Traditionell bitten Kinder die Puppe laut um einen sonnigen Tag. Eigene Worte, in jeder Sprache, sind völlig in Ordnung.
  9. Danke sagen. Wird der Tag schön, mal das Gesicht auf (falls du gewartet hast) und bedank dich. Manche Familien gießen als Anspielung auf das Lied einen Schluck Sake oder Wasser darüber.

Häufige Fehler

  • Versehentlich kopfüber. Rutscht der Knoten und der Kopf kippt nach unten, sofort korrigieren. Laut Brauch wünschst du dir sonst Regen.
  • Farbige Taschentücher. Gefärbtes Papier kann bei Feuchtigkeit abfärben, auf ein weißes Fensterbrett oder ein Brautkleid. Weiß ist nicht ohne Grund Tradition.
  • Kein Himmel in Sicht. Die Puppe soll das Wetter von morgen „sehen“. Ein Fenster oder Dachvorsprung nach draußen ist ideal.
  • Liegenlassen. Ein durchweichtes Taschentuch auf dem Balkon wochenlang hängen zu lassen, ist kein schöner Abschied. Bedanken und abnehmen.

Wie kann man Teru Teru Bozu bei der Hochzeit einsetzen?

Teru Teru Bozu sind zu einem kleinen Liebling für Hochzeiten im Freien geworden, auch weit weg von Japan. Sie sind günstig, selbstgemacht und kommen mit einer Geschichte, die Gäste gern hören. Ein paar Ideen:

  • Bastelstation beim Polterabend. Stell Taschentücher, Bänder und Stifte auf den Tisch und lass jeden Gast eine Puppe basteln und einen Wunsch für das Paar auf die Robe schreiben. Alle zusammen werden am Abend vor der Trauung aufgehängt.
  • JGA-Ritual. Die Mädels oder Jungs basteln am Junggesellenabschied je eine Puppe für den großen Tag. Wer für den JGA selbst Wetterglück braucht, findet Inspiration beim JGA-Wetterzauber.
  • Deko für Trauung und Zelt. Eine Reihe Stoffpuppen am Traubogen oder Zelteingang sieht verspielt aus und verrät das Motto.
  • Gastgeschenk. Eine Minipuppe an der Gastgeschenk-Box mit einem Kärtchen, das den Brauch erklärt.
  • Für deutsch-japanische Paare kann sie eine schöne Brücke zu einer Kindheitserinnerung sein.

Ein Wort zum Respekt: Teru Teru Bozu sind in Japan ein lebendiger Alltagsbrauch, kein heiliges Ritual, und werden gern geteilt. Trotzdem gehört es dazu, die echte Geschichte zu erzählen und den Namen richtig zu schreiben.

Wenn du mehrere Wetterbräuche kombinieren willst, schau in unseren Ratgeber zu Hochzeitsbräuchen und Aberglauben rund ums Wetter oder in unsere Ideen für ein Gutes-Wetter-Ritual zur Hochzeit.

Funktioniert ein Teru Teru Bozu?

Ehrlich: Keine Puppe steuert das Wetter. Regen und Sonne entstehen aus Luftmassen, Fronten und Feuchtigkeit, nicht aus Taschentüchern. Darum ging es aber auch nie. Ein Teru Teru Bozu leistet drei echte Dinge:

  1. Er macht aus Sorge Handlung. Am Abend vor einem großen Tag etwas mit den Händen zu machen, beruhigt mehr als alle zehn Minuten die Wetter-App zu aktualisieren.
  2. Er verbindet. Kinder, Großeltern, Trauzeugen, alle können mitmachen.
  3. Er macht Regen weniger schlimm. Wenn es trotzdem regnet, habt ihr eine schöne Tradition und eine gute Geschichte. Und Regen am Hochzeitstag gilt in vielen Regionen ohnehin als Glück, wie du in Regen am Hochzeitstag nachlesen kannst.

Was euren Tag wirklich schützt, ist Planung. Wie hoch die Regenwahrscheinlichkeit an eurem Datum und Ort ist, zeigt unser kostenloser Rechner Regnet es an meiner Hochzeit? auf Basis jahrzehntelanger Wetterdaten. Was Wissenschaft und Brauchtum sonst noch versuchen, steht in Kann man das Wetter beeinflussen?.

Wenn du die Idee eines Rituals liebst, es aber lieber in andere Hände gibst: Unser Hochzeits-Wetterzauber ist ein persönliches Gutes-Wetter-Ritual für euer Datum und euren Ort, durchgeführt in den Nächten vor dem Tag, mit Fotobeweis und geschriebenem Segen. Wie der Teru Teru Bozu ist es ein Wunsch und ein Trost, keine Vorhersage.

Fazit

Ein Teru Teru Bozu ist ein kleiner weißer „Sonnenmönch“ aus Taschentuch oder Stoff, den man am Abend vor einem großen Tag aufhängt, um sich schönes Wetter zu wünschen. Er geht vermutlich auf eine chinesische Besenmädchen-Figur zurück, wurde in der Edo-Zeit populär und bekam 1921 ein Kinderlied mit einer berüchtigten dritten Strophe. Er ist in fünf Minuten gebastelt, wunderschön auf Hochzeiten und ändert die Prognose kein bisschen. Bastel trotzdem einen, häng ihn Kopf nach oben auf, prüf deine Regenchancen und mal ihm ein Lächeln, wenn die Sonne kommt.

Häufige Fragen

Was bedeutet Teru Teru Bozu?

Teru ist das japanische Wort für das Scheinen der Sonne, Bozu bedeutet buddhistischer Mönch oder umgangssprachlich ein Junge mit kahl geschorenem Kopf. Zusammen heißt das etwa scheine, scheine, kleiner Mönch. Der runde weiße Kopf der Puppe erinnert an einen Mönchskopf, das herabhängende Tuch an seine Robe.

Warum hängt man einen Teru Teru Bozu kopfüber auf?

Kopfüber aufgehängt kehrt sich der Wunsch um: Die Puppe soll dann Regen statt Sonne bringen. Diese Variante heißt regional Fure fure bōzu oder Ame ame bōzu. Japanische Kinder hängen sie angeblich gern auf, wenn sie hoffen, dass ein Sportfest oder eine Prüfung ins Wasser fällt. Für die Hochzeit also unbedingt Kopf nach oben.

Malt man dem Teru Teru Bozu ein Gesicht?

Das ist Geschmackssache. Viele malen sofort ein lächelndes Gesicht. Ein älterer Brauch, den mehrere japanische Quellen beschreiben, sagt dagegen, man solle das Gesicht erst aufmalen, wenn die Sonne tatsächlich scheint, als Dankeschön. Das erinnert an die Daruma-Puppe, bei der man das zweite Auge erst nach erfülltem Wunsch ausmalt.

Ist das Teru-Teru-Bozu-Lied gruselig?

Eine Strophe ist es. Das Kinderlied von 1921 verspricht der Puppe eine goldene Glocke und süßen Sake, wenn es morgen schön wird. In der dritten Strophe droht der Sänger aber, ihr den Kopf abzuschneiden, falls es doch regnet. Diese Strophe wird heute oft weggelassen, deshalb hat die Puppe online einen leicht unheimlichen Ruf.

Kann man Teru Teru Bozu bei der Hochzeit verwenden?

Ja, die Puppen sind eine günstige, charmante Deko mit Geschichte. Hängt sie an den Eingang, an den Traubogen oder ins Zelt, oder lasst Gäste beim Polterabend eigene basteln und Wünsche darauf schreiben. Seht es als fröhlichen Wunsch, nicht als Wettervorhersage, und plant trotzdem einen Plan B.

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