Wetter-Brauchtum
Hochzeitsbräuche in Deutschland, Österreich und der Schweiz: Was sie bedeuten und woher sie kommen
Die bekanntesten Hochzeitsbräuche in Deutschland sind Polterabend, Baumstamm sägen, Brautentführung, Brautstrauß werfen, Reis werfen, der mit Pfennigen bezahlte Brautschuh und der Schleiertanz um Mitternacht. Die meisten wollen Glück, Fruchtbarkeit und Zusammenhalt herbeiwünschen oder böse Geister vertreiben. Viele sind jünger, als sie wirken, und ihre Herkunft ist oft nicht sicher belegt.
Vom Weather Witch-Team · Aktualisiert am 4. Oktober 2026 · 11 Min. Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
- Beim Polterabend wird Porzellan und Steingut zerschlagen, aber kein Glas; die Scherben kehrt das Brautpaar gemeinsam zusammen. Laut der Volkskundlerin Annette Remberg ist der Brauch seit Anfang des 16. Jahrhunderts bezeugt.
- In Österreich und der Schweiz bezeichnet „Polterabend“ meist den Junggesellenabschied, nicht das Scherbenfest am Vorabend der Hochzeit.
- Eine Verwandte Jakob Fuggers soll 1583 die erste Braut in Deutschland gewesen sein, die statt eines Rosmarinkranzes einen Myrtenkranz trug.
- Hupende Autokorsos sind in Deutschland nach § 16 der Straßenverkehrs-Ordnung eine Ordnungswidrigkeit, ebenso wie scheppernde Blechdosen am Hochzeitsauto.
- Der Brautstrauß tauchte in seiner heutigen Form in der Renaissance auf und diente als Duftstrauß gegen die schlechte Luft in den Kirchen.
Hochzeitsbräuche sind die kleinen Rituale, mit denen Menschen seit Jahrhunderten Glück, Fruchtbarkeit und Zusammenhalt für ein Brautpaar herbeiwünschen. In Deutschland gehören Polterabend, Baumstamm sägen, Brautentführung, Brautstrauß werfen, Reis werfen, der mit gesparten Pfennigen bezahlte Brautschuh und der Schleiertanz um Mitternacht zu den bekanntesten. Viele wollen böse Geister vertreiben, andere sind reine Spiele mit Augenzwinkern.
Eine Warnung vorweg: Bei Hochzeitsbräuchen wird viel erzählt und wenig belegt. „Uralter germanischer Brauch“ steht schnell auf einem Blog. Wir haben jeden Brauch in diesem Ratgeber gegen die Einträge der deutschsprachigen Wikipedia und deren Quellen geprüft und sagen dir ehrlich, wo die Herkunft unsicher ist.
Hochzeitsbräuche Liste: Die große Übersicht
Die folgende Liste zeigt die wichtigsten Hochzeitsbräuche im deutschsprachigen Raum mit Zeitpunkt, Bedeutung und dem, was über ihre Herkunft bekannt ist.
| Brauch | Wann | Bedeutung | Herkunft und Verbreitung |
|---|---|---|---|
| Polterabend | Vorabend oder einige Tage vor der Hochzeit | Lärm vertreibt böse Geister, Scherben bringen Glück | Ursprung unklar, laut Annette Remberg seit Anfang des 16. Jh. bezeugt; vor allem Deutschland |
| Letsch | Sonntag ca. drei Wochen vor der Trauung | Umtrunk nach dem ersten Aufgebot | Niederrhein |
| Kränzen | Vorabend der Hochzeit | Nachbarn binden einen Tannenkranz über die Haustür | Ostfriesland, Saterland, Münsterland, Emsland; Rupertiwinkel und Flachgau |
| Kranzbinden | Wenige Tage vor der Hochzeit | Vorfeier mit Festspiel | Bremen, Anfang 19. Jh. bis nach dem Ersten Weltkrieg |
| Häckselstreuen | Vor der Hochzeit | Strohspur zwischen den Elternhäusern, vorbei an den Verflossenen | Ländliche Regionen, heute selten |
| Hochzeitslader | Einladung und Fest | Lädt mündlich in Spruchform ein, unterhält beim Fest | Alpenraum, Bayern, Westfalen, Sorben |
| Junggesellenabschied | Wochen oder Tage vorher | Abschied vom Ledigsein | Weit verbreitet |
| Etwas Altes, etwas Neues | Hochzeitstag | Vier Glücksbringer plus Glückspfennig im Schuh | Aus England übernommen |
| Brautschuh mit Pfennigen | Vor der Hochzeit gekauft | Sparsamkeit der Braut | Heute mit Cent-Münzen |
| Brautstrauß | Trauung | Ursprünglich Duftstrauß | Renaissance; traditionell besorgt ihn der Bräutigam |
| Brautkranz aus Myrte | Trauung | Jungfräulichkeit, beständiges Eheglück | Myrte seit Ende des 16. Jh. in Deutschland |
| Brautschleier | Trauung bis Mitternacht | Ursprünglich Zeichen der Jungfräulichkeit | Schon in der Antike belegt |
| Hochzeitskerze | Kirchliche Trauung | Licht für den gemeinsamen Weg | Vor allem in kirchlichen Trauungen verbreitet |
| Reis werfen | Nach der Trauung | Fruchtbare, kinderreiche Ehe | Früher auch Graupen, Erbsen und Nüsse |
| Spalier stehen | Nach der Trauung | Ehrerbietung | Vereine, Kollegen; bei der Marine mit „Hochzeitsriemen“ |
| Baumstamm sägen | Nach der Trauung | Gemeinsame, gleichberechtigte Arbeit | Einige Regionen Deutschlands |
| Autokorso und Dosen | Fahrt zur Feier | Aufmerksamkeit, Lärm | Hupen ist nach § 16 StVO eine Ordnungswidrigkeit |
| Wegezoll | Fahrt zur Feier | Brautpaar „kauft sich frei“, meist mit Schnaps | In Norddeutschland „Schatten“ genannt; in Altbayern oft Kinder oder Ministranten |
| Brot und Salz | Ankunft oder Geschenk | Dauerhaftes Bündnis | In vielen Ländern |
| Torte anschneiden | Kaffee oder Abend | Wer die Hand oben hat, hat das Sagen | Weit verbreitet |
| Brautentführung | Während der Feier | Spaß, Bräutigam „löst“ die Braut aus | Angeblich „Recht der ersten Nacht“, historisch nicht belegt; Bayern, Österreich |
| Maschkern | Während der Feier | Maskierte spielen Szenen aus dem Leben des Paares | Österreich und Bayern |
| Hochzeitszeitung | Während der Feier | Erinnerung mit Fotos und Anekdoten | Meist von Familie oder Freunden gemacht |
| Brautschuhversteigerung | Während der Feier | Gäste sammeln Geld für das Paar | Weit verbreitet |
| Schleiertanz | Mitternacht | Aus der Braut wird die Ehefrau | Wer das größte Stück erwischt, heiratet als Nächste |
| Über die Schwelle tragen | Ankunft im neuen Zuhause | Glück im gemeinsamen Heim | In vielen Ländern verbreitet |
Bräuche vor der Hochzeit
Vor der Hochzeit drehen sich die meisten Bräuche um zwei Dinge: Lärm und Gemeinschaft. Die Nachbarschaft, der Freundeskreis und das Dorf zeigen, dass sie das Paar kennen und mitfeiern.
Polterabend
Der Polterabend ist der bekannteste deutsche Hochzeitsbrauch vor dem großen Tag: Gäste zerschlagen Porzellan, Steingut und Keramik vor dem Haus des Paares. Nach der verbreitetsten Deutung soll der Lärm als Abwehrzauber Geister und Dämonen fernhalten, ähnlich wie das Feuerwerk an Silvester. Soziologen haben darin auch eine Form demonstrativer Verschwendung gesehen.
Die wichtigste Regel: kein Glas und keine Spiegel. Glas steht für Glück, das man nicht zerbrechen soll, und ein zerbrochener Spiegel bringt nach altem Aberglauben sieben Jahre Pech. Die Scherben kehrt das Brautpaar gemeinsam zusammen, die erste gemeinsame Arbeit der Ehe.
Die Herkunft ist laut Wikipedia nicht geklärt. Die Volkskundlerin Annette Remberg datiert erste Belege auf den Anfang des 16. Jahrhunderts. Kurios: In Österreich und der Schweiz meint „Polterabend“ meist etwas ganz anderes, nämlich den Junggesellenabschied. Wer also eine Schweizer Freundin zum Polterabend einlädt, sollte dazusagen, dass Porzellan mitgebracht werden darf.
Letsch, Hielich und Kränzen
Am Niederrhein gibt es die Letsch: Früher verlas der Pfarrer an drei Sonntagen das Aufgebot, und nach dem ersten Aufruf trafen sich Freunde und Bekannte im Elternhaus der Braut zum Umtrunk. Eingeladen wird nicht förmlich, wer mag, kommt. Im Bergischen Land und in der Eifel kennt man den Hielich, einen Heischebrauch, bei dem vor der Hochzeit geschossen und getrunken wurde.
In Ostfriesland, im Saterland, im Münsterland und in Teilen des Emslands wird gekränzt: Nachbarn binden einen Kranz aus Tannenzweigen und hängen ihn am Vorabend der Hochzeit über die Haustür des Paares, dazu kommen Papierrosen in Weiß und Rot. Im Rupertiwinkel und im Salzburger Flachgau übernehmen das die Mädchen und ledigen Frauen des Dorfes.
Häckselstreuen und Hochzeitslader
Beim Häckselstreuen ziehen Freunde eine Spur aus Stroh vom Elternhaus der Braut zu dem des Bräutigams, vorbei an den Adressen früherer Partnerinnen und Partner. Wer dort wohnt, muss sich mit Bier freikaufen. Wegen Unfällen und verschmutzter Straßen ist der Brauch umstritten und heute eher auf dem Land zu finden.
Der Hochzeitslader oder Hochzeitsbitter lädt traditionell persönlich und in Reimform zu Hochzeit ein, oft mit geschmücktem Stab und einem Schnaps „als Vorgeschmack“. Auf Bauernhochzeiten in Ober- und Niederbayern singt er Gstanzl, mit denen er Paar und Gäste liebevoll bis derb aufzieht.
Bräuche am Hochzeitstag: Kleid, Strauß und Schuh
Am Hochzeitstag selbst tragen viele Bräuche Symbole: für Reinheit, Treue, Wohlstand und Fruchtbarkeit.
Etwas Altes, etwas Neues, etwas Geliehenes, etwas Blaues
Der Spruch stammt aus England („Something old, something new, something borrowed, something blue and a lucky sixpence in your shoe“) und hat sich laut Wikipedia in Deutschland besonders seit der Hochzeit von Prinz Charles und Diana Spencer durchgesetzt. Das Alte steht für das bisherige Leben, das Neue für die Zukunft, das Geliehene für Freundschaft, das Blaue für Treue, oft als blaues Strumpfband. Statt Sixpence kommt bei uns ein Glückspfennig oder Glückscent in den Schuh, als Zeichen für Wohlstand.
Der Brautschuh mit Pfennigen
Früher bezahlte die Braut ihre Brautschuhe mit gesparten Pfennigen, um zu zeigen, wie sparsam sie ist. Heute zählen Bräute Cent-Münzen ab, und mancher Schuhverkäufer kennt den Brauch und nimmt die Münzrolle mit Humor.
Brautstrauß und Brautkranz
Traditionell besorgt der Bräutigam den Brautstrauß. In der heutigen Form taucht er in der Renaissance auf, und zwar mit sehr praktischem Zweck: In Kirchen voller Weihrauch und mit wenig Körperhygiene sollten intensiv duftende Sträuße die Braut vor Ohnmachtsanfällen bewahren.
Der Brautkranz bestand lange aus Rosmarin. Laut Wikipedia soll 1583 eine Verwandte Jakob Fuggers die erste Braut in Deutschland gewesen sein, die stattdessen einen kostbaren Myrtenkranz trug. Ab Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Myrte zum Hochzeitsschmuck, und es entstand der Brauch, einen Zweig aus dem Brautkranz einzupflanzen: Wuchs er, galt das als Zeichen für beständiges Eheglück. Deshalb ist die Myrte eine der ältesten Zimmerpflanzen.
Brautschleier
Der weiße Schleier stand ursprünglich für die Jungfräulichkeit der Braut. Früher war er oft das einzige weiße Kleidungsstück. Auf dem Land heiratete man im Sonntagsstaat, und der war traditionell schwarz. Der Schleier selbst ist viel älter als jedes deutsche Dorf: Er ist schon für das alte Mesopotamien belegt, und das lateinische Verb nubere (heiraten, aus Sicht der Frau) bedeutet im Kern „sich verschleiern“.
Die Hochzeitskerze
Viele Paare zünden bei der kirchlichen Trauung eine eigens gestaltete Hochzeitskerze an, oft mit Namen, Datum und Ringen verziert. Eine alte Volkstradition mit belegtem Ursprung ist das nicht, eher ein schönes kirchliches Symbol für das gemeinsame Licht. Viele Paare zünden sie später an Jahrestagen oder in schweren Zeiten wieder an.
Bräuche nach der Trauung
Direkt nach der Trauung wird es laut, sportlich und manchmal klebrig.
Reis werfen
Beim Auszug aus Kirche oder Standesamt wird das Paar mit Reis beworfen, als Wunsch für eine fruchtbare, kinderreiche Ehe. Früher nahm man auch Graupen, Erbsen oder Nüsse. Die oft erzählte Geschichte, dass roher Reis im Magen von Vögeln aufquillt, gilt laut Wikipedia als widerlegt. Viele Kirchen und Standesämter mögen Reis trotzdem nicht, weil er rutschig ist und liegen bleibt. Blütenblätter, Lavendel oder Seifenblasen sind die Alternativen.
Spalier stehen
Ein Spalier ist eine Gasse aus zwei Reihen Menschen, die zur Ehrerbietung gebildet wird. Bei Hochzeiten stehen Sportverein, Feuerwehr, Kollegen oder Musikkapelle Spalier, oft mit passenden Requisiten: Tennisschläger, Feuerwehrschläuche, Stethoskope. Bei der Marine bildet die Besatzung ein Spalier mit verzierten Kutterriemen, den „Hochzeitsriemen“.
Baumstamm sägen
Nach der Trauung zersägt das Brautpaar gemeinsam einen Baumstamm auf einem Sägebock, mit einer Schrotsäge. Weil man abwechselnd ziehen muss, damit sie nicht klemmt, steht der Brauch für gemeinsame, gleichberechtigte Arbeit in der Ehe und die Balance zwischen Ziehen und Nachgeben. Ein Tipp aus der Praxis: Lasst den Stamm nicht zu dick wählen. Die Gäste wollen Sekt, nicht zwanzig Minuten Holzarbeit.
Autokorso, Dosen und Wegezoll
Danach geht es im Autokorso zur Feier, gern mit Dosen am Auto. Beides ist rechtlich heikel: Hupen ohne Grund ist in Deutschland nach § 16 StVO eine Ordnungswidrigkeit, scheppernde Dosen sind ebenfalls nicht erlaubt. In manchen Gegenden wird der Korso gestoppt und Wegezoll verlangt, meist in Form von Schnaps, den Brautpaar und „Wegelagerer“ gemeinsam trinken. In Norddeutschland heißt das „Schatten“, in Altbayern übernehmen es traditionell Kinder oder Ministranten.
Bräuche auf der Feier
Auf der Feier werden aus Ritualen Spiele.
Brautentführung
Bei der Brautentführung „entführen“ Freunde die Braut und ziehen mit ihr von Lokal zu Lokal, während der Bräutigam oder der Trauzeuge sie suchen und überall die Zeche zahlen muss. Zum Auslösen gibt es oft eine Aufgabe, etwa ein Lied oder das Versprechen, den Abwasch zu übernehmen. In Bayern und Österreich, vor allem bei Bauernhochzeiten, werden dabei Gstanzl gesungen.
Die Herkunft wird gern auf das „Recht der ersten Nacht“ zurückgeführt. Historiker halten dieses angebliche mittelalterliche Recht aber weitgehend für eine literarische Fiktion. Wer die Entführung plant, sollte vorher mit dem Paar sprechen: Nicht jede Braut will zwei Stunden ihres eigenen Festes in einer Kneipe verbringen.
Maschkern
In Österreich und Bayern treten Freunde oder Vereinsmitglieder maskiert auf und spielen Szenen aus dem Leben des Paares nach, mit einem Harlekin als Erzähler, in Österreich einem Kasperl. Eine feste Figur ist „die alte Liebe“, die ein letztes Mal versucht, den Bräutigam umzustimmen.
Hochzeitszeitung
Die Hochzeitszeitung ist eine selbst gemachte Zeitung über das Paar, meist von Familie oder Freunden, mit Kinderfotos, Anekdoten und Karikaturen. Sie wird auf der Feier verteilt, manchmal mit kleinen Szenen vorgestellt, und bleibt als Erinnerung.
Torte, Brautschuh und Schleiertanz
Beim Anschneiden der Torte heißt es: Wer die Hand oben hat, hat in der Ehe das Sagen. Bei der Brautschuhversteigerung wird der Braut ein Schuh „entwendet“, die Gäste werfen ihre Gebote hinein, und am Ende ersteigert der Bräutigam den Schuh samt Inhalt. Das Geld bleibt beim Paar.
Um Mitternacht ist die Braut keine Braut mehr, sondern Ehefrau, deshalb wird der Schleier abgenommen. Beim Schleiertanz versuchen die unverheirateten Frauen, ein Stück des Schleiers zu erwischen. Wer das größte Stück hat, heiratet als Nächste. In einer anderen Variante wird der Schleier über das Paar gespannt, und wer mit Braut oder Bräutigam tanzen will, wirft Geld hinein. Den Brautstrauß wirft die Braut blind in die Gruppe der unverheirateten Frauen, mit derselben Prophezeiung.
Bräuche nach dem Fest
Zum Abschluss trägt der Bräutigam die Braut über die Schwelle des gemeinsamen Zuhauses. In vielen Ländern gilt das als Glücksbringer. Für die Herkunft kursieren verschiedene Erklärungen, etwa Schutz vor bösen Geistern an der Türschwelle, belegt ist keine davon sicher.
Und wenn Freunde einen Schlüssel haben, erwartet das Paar oft eine Überraschung: ausgeräumte Zimmer, Konservendosen im Badezimmer oder ein Inserat in der Lokalzeitung, dass man etwas günstig abzugeben habe. Brot und Salz bekommen Paare in vielen Ländern als Geschenk, als Zeichen für ein dauerhaftes Bündnis.
Hochzeitsbräuche rund ums Wetter
Das Wetter war für alte Hochzeitsbräuche ein großes Thema, weil Hochzeiten auf dem Land draußen stattfanden und ein verregneter Tag ernste Folgen hatte. Erstaunlich ist, wie gut gelaunt der Volksglaube damit umgeht.
| Brauch oder Spruch | Bedeutung |
|---|---|
| „Wenn es der Braut in den Kranz regnet, ist die Ehe gesegnet.“ | Regen am Hochzeitstag ist ein gutes Zeichen |
| Teller leer essen | Wer aufisst, bekommt schönes Wetter, schon 1862 im Erzgebirge als allgemein verbreitet notiert |
| Petrus macht das Wetter | Der Himmelspförtner ist im Volksglauben für Regen zuständig |
| Siebenschläfer, 27. Juni | Das Wetter um Anfang Juli soll sich für Wochen halten |
Der berühmteste Spruch ist der vom Regen in den Brautkranz: Er bedeutet Segen, nicht Pech. Und der Glaube, dass leer gegessene Teller Sonne bringen, ist älter, als die meisten Eltern ahnen. Beides erklären wir mit Quellen im Ratgeber Hochzeitsaberglaube und Wetter. Was Regen am großen Tag heute bedeutet und wie ihr gelassen bleibt, steht in Regen am Hochzeitstag.
Und dann ist da Petrus, der im deutschen Volksglauben für das Wetter zuständig ist. Warum ausgerechnet der Apostel mit den Himmelsschlüsseln den Regen verwaltet und wie Paare ihn „bestechen“, liest du in unserem Ratgeber Petrus und das Wetter.
Wer lieber Zahlen als Sprüche mag: Unser kostenloses Tool Regnet es an meiner Hochzeit? zeigt dir anhand von 30 Jahren Wetterdaten, wie oft es an deinem Datum und Ort geregnet hat.
Welche Hochzeitsbräuche passen zu euch?
Kein Brauch ist Pflicht, und keiner muss so gefeiert werden wie bei den Großeltern. Ein paar Fragen helfen beim Aussortieren:
- Passt es zu euch? Wer nicht gern im Mittelpunkt steht, lässt den Schleiertanz weg.
- Passt es zur Location? Reis, Konfetti, Polterscherben und Feuer sind nicht überall erlaubt. Fragt vorher.
- Wer organisiert es? Spalier, Hochzeitszeitung und Brautentführung leben von Freunden. Sprecht mit Trauzeugen, was ihr euch wünscht und was nicht.
- Was sagt das Wetter? Baumstamm sägen, Spalier und Reis werfen finden draußen statt. Plant einen überdachten Ort, und packt für Gäste einen Notfallkorb mit Ponchos und Schirmen.
Und wer neben Statistik und Plan B gern auch ein bisschen Magie hätte: Unser persönliches Hochzeits-Wetterritual wird in den Nächten vor eurem Tag für euer Datum und euren Ort durchgeführt, mit Foto-Nachweis und geschriebenem Segen. Garantieren kann das Wetter niemand. Aber auch Hochzeitsbräuche waren nie eine Garantie, sondern ein Weg, mit dem Unkontrollierbaren freundlich umzugehen.
Fazit
Hochzeitsbräuche in Deutschland und Österreich reichen vom Polterabend und Kränzen vor der Hochzeit über Brautschuh, Myrtenkranz und Schleier am Tag selbst bis zu Baumstamm sägen, Spalier, Brautentführung und Schleiertanz auf der Feier. Die meisten wünschen Glück, Fruchtbarkeit und Zusammenhalt oder vertreiben symbolisch böse Geister. Ihre Herkunft ist oft weniger alt und weniger sicher, als behauptet wird. Sucht euch die Bräuche aus, die zu euch passen, sprecht sie mit der Location ab, und nehmt das Wetter so, wie es der Volksglaube vorschlägt: Regen in den Brautkranz ist Segen.
Häufige Fragen
Welche Hochzeitsbräuche gibt es in Deutschland?
Zu den bekanntesten Hochzeitsbräuchen in Deutschland gehören Polterabend, Junggesellenabschied, Kränzen, Baumstamm sägen, Spalier stehen, Reis werfen, Brautstrauß werfen, Brautentführung, Brautschuhversteigerung, der Schleiertanz um Mitternacht, das gemeinsame Anschneiden der Torte, die Hochzeitszeitung und das Tragen über die Schwelle. Dazu kommen regionale Bräuche wie die Letsch am Niederrhein oder das Häckselstreuen.
Was bedeutet das Baumstamm sägen bei der Hochzeit?
Das Brautpaar zersägt nach der Trauung gemeinsam einen Baumstamm mit einer Schrotsäge. Weil man abwechselnd ziehen muss, damit die Säge nicht klemmt, steht der Brauch für gemeinsame, gleichberechtigte Arbeit in der Ehe und die Balance zwischen Ziehen und Nachgeben. Er ist in einigen Regionen Deutschlands verbreitet und gehört zu den beliebtesten Fotomotiven vor der Kirche oder dem Standesamt.
Warum zerschlägt man beim Polterabend Porzellan, aber kein Glas?
Nach der verbreitetsten Deutung soll der Lärm böse Geister vom Brautpaar fernhalten, und Scherben gelten als Glücksbringer. Glas ist tabu, weil es als Symbol für Glück gilt, das man nicht zerbrechen soll, und zerbrochene Spiegel nach altem Aberglauben sieben Jahre Pech bringen. Das Paar kehrt die Scherben gemeinsam zusammen, als erste Teamarbeit der Ehe.
Woher kommt die Brautentführung?
Oft wird die Brautentführung auf das angebliche mittelalterliche „Recht der ersten Nacht“ zurückgeführt. Historiker halten dieses Recht aber weitgehend für eine literarische Fiktion. Heute ist die Brautentführung ein Spaß: Freunde ziehen mit der Braut von Lokal zu Lokal, der Bräutigam oder Trauzeuge muss sie finden und die Zeche zahlen. In Bayern und Österreich wird dabei oft gesungen.
Was bedeutet Regen am Hochzeitstag nach altem Brauch?
Im deutschen Volksglauben ist Regen am Hochzeitstag ein gutes Zeichen. Der bekannteste Spruch lautet: „Wenn es der Braut in den Kranz regnet, ist die Ehe gesegnet.“ Dazu passt der alte Glaube, dass leer gegessene Teller schönes Wetter bringen, und die Vorstellung, dass Petrus für das Wetter zuständig ist.
Welche Hochzeitsbräuche sind heute noch üblich?
Sehr lebendig sind Polterabend, Junggesellenabschied, Baumstamm sägen, Spalier, Brautstrauß werfen, das gemeinsame Anschneiden der Hochzeitstorte, die Brautschuhversteigerung und der Schleiertanz um Mitternacht. Reis werfen wird oft durch Blüten, Seifenblasen oder Konfetti ersetzt. Die Brautentführung ist regional verschieden beliebt, und viele Locations sehen sie heute nicht mehr gern.