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Wetter-Brauchtum

Hochzeitsaberglaube rund ums Wetter: Was alte Bräuche wirklich sagen

Der bekannteste deutsche Hochzeitsaberglaube zum Wetter lautet: „Wenn es der Braut in den Kranz regnet, ist die Ehe gesegnet.“ Dazu kommen Bräuche wie das Leeressen der Teller für schönes Wetter, gut gefütterte Katzen für Sonnenschein und Petrus als himmlischer Wetterchef. In Italien gilt die nasse Braut als glücklich, in Spanien bringen Bräute Eier zu den Klarissen.

Vom Weather Witch-Team · Aktualisiert am 4. Oktober 2026 · 7 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Moritz Spieß verzeichnete 1862 für das sächsische Obererzgebirge: „Wenn es der Braut in den Kranz regnet, ist die Ehe gesegnet.“
  • Laut Spieß (1862) galt im Erzgebirge allgemein: Wird bei Tisch alles aufgegessen, bedeutet das schönes Wetter.
  • Wanders Deutsches Sprichwörter-Lexikon verzeichnet: „Eine Braut, welche die Katzen gut füttert, hat an ihrem Hochzeitstage Sonnenschein.“
  • In Spanien bringen Bräute traditionell Eier zur heiligen Klara, der Patronin des guten Wetters, damit es am Hochzeitstag nicht regnet.
  • Im deutschen Volksglauben gilt Petrus als zuständig für das Wetter, besonders für Regen.

Der bekannteste deutsche Hochzeitsaberglaube zum Wetter lautet: „Wenn es der Braut in den Kranz regnet, ist die Ehe gesegnet.“ Regen am Hochzeitstag galt also als Segen, nicht als Pech. Daneben gibt es eine ganze Sammlung weiterer Wetterbräuche: Teller leer essen für Sonnenschein, die Katzen gut füttern, Petrus als himmlischen Wetterchef und, außerhalb Deutschlands, Eier für die heilige Klara.

Wir haben die Bräuche nicht aus Pinterest-Listen abgeschrieben, sondern in alten Quellen nachgeschlagen: vor allem in Moritz Spieß’ Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862) und in Karl Friedrich Wilhelm Wanders Deutschem Sprichwörter-Lexikon (ab 1867). Was wir nicht belegen konnten, sagen wir dazu.

Welche Hochzeitsbräuche rund ums Wetter gibt es in Deutschland?

Die meisten deutschen Hochzeitsbräuche zum Wetter deuten Regen als Glück und schönes Wetter als Belohnung für gutes Benehmen. Hier die Übersicht:

Brauch oder Spruch Herkunft / Quelle Bedeutung
„Wenn es der Braut in den Kranz regnet, ist die Ehe gesegnet“ Sächsisches Obererzgebirge, „allgemein“ (Spieß 1862) Regen bringt Segen, Kinder, Wohlstand
„Regen in den Brautkranz bedeutet Glück und Segen“ Wander, nach der Schlesischen Zeitung Wie oben
„Der glücklichen Braut fällt der Regen in den Schoß“ Wander, auch auf Latein überliefert Regen als gutes Vorzeichen
Teller leer essen Obererzgebirge, „allgemein“ (Spieß 1862) Wer aufisst, bekommt schönes Wetter
„Eine Braut, welche die Katzen gut füttert, hat an ihrem Hochzeitstage Sonnenschein“ Wander, nach „Das neue Blatt“ 1872; auch plattdeutsch Freundlichkeit wird mit Sonne belohnt
Regen am Vortag der Hochzeit Lößnitz (Spieß 1862) Gutes Zeichen
Regen bei Sonnenschein auf dem Kirchweg Schneeberg (Spieß 1862) Gutes Zeichen
Nebel am Trauungstag Saida (Spieß 1862) Krankheit in der Ehe
Starker Wind am Trauungstag Saida (Spieß 1862) Das Paar wird arm
Nebel oder Schnee in den Brautkranz Lauenburg (nach Wuttke, zitiert bei Spieß) Glückliches Zeichen
Petrus macht das Wetter Allgemeiner Volksglaube Der Himmelspförtner ist auch für Regen zuständig

Ihr seht schon: Derselbe Nebel bedeutet in Saida Krankheit und in Lauenburg Glück. Aberglaube war schon immer flexibel.

Was bedeutet „Regnet es der Braut in den Kranz“?

Der Spruch bedeutet, dass Regen am Hochzeitstag die Ehe segnet. Der „Kranz“ ist der Brautkranz, den Bräute im deutschsprachigen Raum lange trugen, zuerst oft aus Rosmarin. Laut Wikipedia soll 1583 eine Verwandte Jakob Fuggers die erste Braut in Deutschland gewesen sein, die statt Rosmarin einen Myrtenkranz trug; danach setzte sich die Myrte als Hochzeitsschmuck durch.

Spieß erklärt den Regen-Glauben 1862 mit dem germanischen Gott Donar, dessen „Gabe“ der Regen sei. Diese Herleitung ist typisch für die Volkskunde des 19. Jahrhunderts und mit Vorsicht zu genießen. Einleuchtender ist die bäuerliche Logik: Regen bedeutet Ernte, Ernte bedeutet Wohlstand, Wohlstand bedeutet eine gute Ehe. Mehr zu Bedeutung und Umgang mit Regen am großen Tag lest ihr im Ratgeber Regen am Hochzeitstag.

Teller leer essen für gutes Wetter: Woher kommt das?

Der Glaube, dass leer gegessene Teller schönes Wetter bringen, ist älter als die meisten Eltern ahnen. Spieß notierte 1862: „Wenn bei Tische Alles rein aufgegessen wird, so bedeutet dies schönes Wetter“, und zwar als allgemein verbreitet im Erzgebirge.

Im Internet kursiert eine andere Erklärung: Das Ganze sei eine Fehlübersetzung aus dem Plattdeutschen, wo es eigentlich „dann gibt es morgen wieder (Wedder) etwas Gutes“ geheißen habe. Das ist eine charmante Geschichte, aber wir haben keinen belastbaren Beleg dafür gefunden. Die Quelle von 1862 spricht eindeutig vom Wetter.

Für eure Hochzeit ist der Brauch ein Geschenk: Ein kleines Schild am Buffet („Teller leer, Sonne her!“) bringt Gäste zum Lachen, und die Reste-Frage löst sich nebenbei. Mehr Ideen dieser Art findet ihr bei unseren Ritualen für gutes Wetter zur Hochzeit.

Warum soll die Braut die Katzen gut füttern?

„Eine Braut, welche die Katzen gut füttert, hat an ihrem Hochzeitstage Sonnenschein“, verzeichnet Wanders Sprichwörter-Lexikon, mit Verweis auf die Zeitschrift „Das neue Blatt“ von 1872. Auf Plattdeutsch gibt es die Redensart „De Brud hett de Katten god fodert“, die man laut Wander sagte, wenn am Hochzeitstag schönes Wetter war.

Wander selbst ordnet den Spruch den „vielen Sprichwörtern, die auf mythologischen Vorstellungen beruhen“ zu. Oft wird er mit der nordischen Göttin Freyja verbunden, deren Wagen in der Mythologie von Katzen gezogen wird und die für Liebe und Fruchtbarkeit steht. Ob die Bräute von damals daran dachten, wissen wir nicht. Aber eine Braut, die nett zu Tieren ist, verdient Sonne. Das ist eine Logik, der man schwer widersprechen kann.

Warum ist Petrus für das Wetter zuständig?

Im deutschen Volksglauben ist Petrus für das Wetter zuständig, besonders für Regen. Als Himmelspförtner mit den Schlüsseln zum Himmelreich bewacht er die Himmelstür, und offenbar auch die Schleusen des Himmels. Daher kommen Sätze wie „Petrus meint es gut mit uns“ bei Sonnenschein oder „Da hat Petrus wohl schlechte Laune“ bei Platzregen.

Bei Hochzeiten taucht Petrus in Reden, Karten und Glückwünschen ständig auf: „Wir haben mit Petrus verhandelt“ ist ein Klassiker auf Hochzeitszeitungen. Wer mag, kann daraus ein kleines Ritual machen: ein augenzwinkernder Brief an Petrus, der in den Tagen vor der Hochzeit am Fenster liegt. Ernst gemeint? Nein. Hilfreich für die Nerven? Erstaunlich oft.

Welche Wetterbräuche gibt es in anderen europäischen Ländern?

Auch in anderen Ländern Europas gibt es Hochzeitsbräuche rund ums Wetter, und sie widersprechen sich herrlich:

  1. Italien: „Sposa bagnata, sposa fortunata“, nasse Braut, glückliche Braut. Der Spruch ist so bekannt, dass ihn Verwandte fast automatisch sagen, sobald Wolken auftauchen.
  2. England: „Happy is the bride the sun shines on“. Wander stellt diesen Spruch in seinem Lexikon dem deutschen Regen-Glauben gegenüber, samt der düsteren Fortsetzung „and the corpse the rain rains on“: Sonne für die Braut, Regen für die Beerdigung.
  3. Spanien: Bräute bringen Eier zu den Klarissen und bitten um gutes Wetter. Die heilige Klara gilt als Patronin des guten Wetters, und laut spanischer Wikipedia existiert der Brauch seit dem Mittelalter. Das Wortspiel: „clara“ ist auf Spanisch auch das Eiweiß. Kleiner Bonus: Papst Pius XII. erklärte Klara 1958 zur Patronin des Fernsehens.
  4. Philippinen: Auch auf den Philippinen, einst spanische Kolonie, ist der Eier-Brauch bis heute sehr lebendig.
  5. Japan (als Exot in der Runde): Die kleine Stoffpuppe Teru Teru Bozu wird ans Fenster gehängt, um Regen fernzuhalten.

Die Gemeinsamkeit: Wenn der Himmel außer Kontrolle ist, tun Menschen etwas mit ihren Händen. Mal Eier tragen, mal Teller leeren, mal Puppen basteln.

Gibt es auch Aberglauben, der nichts mit Wetter zu tun hat, aber dazugehört?

Ja, und einige stehen direkt neben den Wetterregeln in den alten Sammlungen. Drei Beispiele, die gut zur Wetterfrage passen:

  • Polterabend: Scherben bringen Glück. Am Vorabend wird Porzellan zerschlagen, Glas und Spiegel sind dabei tabu, und das Paar kehrt gemeinsam auf (Polterabend bei Wikipedia). Spieß verweist beim Polterabend ausdrücklich auf die Wetter-Vorzeichen.
  • Tränen und Regen: Im Erzgebirge durfte die Braut am Altar nicht weinen, sonst weine sie doppelt in der Ehe. Anderswo galt laut Wuttke das Gegenteil: „Wenn die Braut nicht weint vor dem Altar, so weint sie in der Ehe.“ Wasser von oben ist also gut, Wasser aus den Augen umstritten.
  • Geld in den Schuhen: In Zwickau legten sich Brautleute für den Kirchgang Geld in die Schuhe, damit es ihnen nie an Geld fehle. Der Brauch lebt heute im Pfennig oder Cent im Brautschuh weiter.

Siebenschläfer und Co.: Taugen Bauernregeln für die Hochzeitsplanung?

Bauernregeln wie „Wenn’s am Siebenschläfer regnet, sind wir sieben Wochen mit Regen gesegnet“ sind eher Folklore als Planungswerkzeug, mit einer kleinen Ausnahme. Der Siebenschläfertag (27. Juni) hat einen echten meteorologischen Kern: Um Anfang Juli stellt sich die Großwetterlage oft für einige Wochen ein, und für Süddeutschland trifft die Regel in grob 60 bis 70 Prozent der Fälle zu. Für Norddeutschland gilt sie nicht. Wie die Regel in unseren eigenen Wetterdaten abschneidet, zeigt der Datencheck zum Siebenschläfertag, und alle anderen bekannten Wetterregeln prüfen wir im Ratgeber zu den Bauernregeln.

Für eure Hochzeit heißt das: Bauernregeln sind schöne Gesprächsthemen, aber für die Planung zählen echte Daten. Wie oft es an eurem Datum und Ort in den letzten Jahrzehnten geregnet hat, zeigt euch unser kostenloses Tool Regnet es an meiner Hochzeit?.

Kann man das Wetter mit Ritualen beeinflussen?

Nein, kein Brauch verschiebt nachweislich Wolken. Das sagen wir als Weather Witch ganz offen. Was Bräuche aber können: einer Sorge, gegen die man nichts tun kann, eine Handlung geben. Wer die Teller leer isst, die Katze füttert oder ein Stoßgebet an Petrus schickt, fühlt sich weniger ausgeliefert. Warum das psychologisch funktioniert, erklären wir im Ratgeber Kann man das Wetter beeinflussen?.

Wenn ihr ein solches Ritual nicht selbst machen wollt, gibt es unser persönliches Hochzeits-Wetterritual: in den Nächten vor eurem Tag für euer Datum und euren Ort durchgeführt, mit Foto-Nachweis und geschriebenem Segen. Ein moderner Brauch neben den alten, und genauso ehrlich: ein Wunsch, kein Versprechen.

Fazit

Der deutsche Hochzeitsaberglaube rund ums Wetter ist erstaunlich gut gelaunt: Regen in den Brautkranz bringt Segen, leere Teller und gut gefütterte Katzen bringen Sonne, und Petrus ist der Ansprechpartner für alles dazwischen. Andere Länder steuern nasse, glückliche Bräute (Italien) und Eier für die heilige Klara (Spanien) bei. Keiner dieser Bräuche ist eine Wettervorhersage, aber alle machen das Warten leichter. Sucht euch einen aus, der zu euch passt, prüft eure echten Regenchancen und plant für beide Fälle.

Häufige Fragen

Welcher Aberglaube gilt für das Wetter bei der Hochzeit?

Im deutschsprachigen Raum gilt vor allem: Regen in den Brautkranz bringt Segen. Dazu kommen das Leeressen der Teller für schönes Wetter, die Regel, dass eine Braut, die Katzen gut füttert, Sonnenschein bekommt, und der Glaube, dass Petrus das Wetter macht. Regional galten Nebel oder starker Wind am Hochzeitstag als schlechtes Zeichen.

Warum soll man den Teller leer essen, damit gutes Wetter wird?

Der Spruch ist ein alter Volksglaube, der schon 1862 im sächsischen Obererzgebirge als allgemein verbreitet dokumentiert wurde. Heute nutzen ihn vor allem Eltern, um Kinder zum Aufessen zu bewegen. Die oft erzählte Erklärung, es handle sich um eine plattdeutsche Fehlübersetzung von „wieder“, ist nicht belegt.

Was hat Petrus mit dem Wetter zu tun?

Im Volksglauben ist Petrus als Himmelspförtner mit den Schlüsseln zum Himmelreich auch für das Wetter zuständig, vor allem für Regen. Daher Redewendungen wie „Petrus meint es gut mit uns“. Bei Hochzeiten schicken viele Paare deshalb ein augenzwinkerndes Stoßgebet an Petrus.

Ist Regen bei der Hochzeit Glück oder Pech?

Im deutschen und italienischen Volksglauben eher Glück: „Regen in den Brautkranz bedeutet Glück und Segen“, und in Italien heißt es „sposa bagnata, sposa fortunata“. In England galt dagegen der Spruch „Happy is the bride the sun shines on“. Es kommt also ganz darauf an, wen man fragt.

Warum bringt man Eier zu den Klarissen vor der Hochzeit?

Das ist ein spanischer Brauch, der auch auf den Philippinen verbreitet ist. Die heilige Klara gilt als Patronin des guten Wetters, und „clara“ bedeutet auf Spanisch auch Eiweiß und klingt nach „klar“. Bräute bringen den Klarissen-Nonnen Eier und bitten um Gebete für einen trockenen Hochzeitstag.

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