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Weather Witch

Wetter-Brauchtum

Kann man das Wetter beeinflussen? Hagelflieger, Wolkenimpfen und alte Bräuche

Nur sehr begrenzt. Beim Wolkenimpfen bringen Flugzeuge oder Raketen Silberjodid in Wolken, um Hagelkörner zu verkleinern oder Regen früher fallen zu lassen. In Deutschland fliegen Hagelflieger etwa um Rosenheim und Stuttgart. Ob das wirkt, ist laut Bundesregierung wissenschaftlich umstritten. Einen Regentag für eine Hochzeit verhindern kann niemand.

Vom Weather Witch-Team · Aktualisiert am 4. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Raum Rosenheim werden seit 1975 Hagelabwehrflüge durchgeführt, im Großraum Stuttgart seit 1980.
  • Die Bundesregierung schreibt, dass ein messtechnischer Nachweis zusätzlichen Niederschlags durch Wolkenimpfen bisher nicht gelungen ist und die Wirksamkeit der Hagelbekämpfung umstritten bleibt.
  • Beim Wolkenimpfen wird Silberjodid in Gewitterzellen gebracht, damit sich statt weniger großer viele kleine Hagelkörner bilden.
  • Die Steirische Hagelabwehr wurde 1955 gegründet und setzt seit 1973 Flugzeuge statt Hagelraketen ein.
  • Die ENMOD-Konvention von 1977 verbietet die militärische Nutzung von Wetterbeeinflussung; Deutschland hat sie ratifiziert.

Kann man das Wetter beeinflussen? Nur sehr begrenzt. Mit Wolkenimpfen bringen Flugzeuge oder Raketen Silberjodid in Wolken, damit Hagelkörner kleiner werden oder Regen früher fällt. In Deutschland fliegen solche Hagelflieger zum Beispiel rund um Rosenheim und Stuttgart. Ob das wirklich etwas bringt, ist laut Bundesregierung wissenschaftlich umstritten. Einen ganz bestimmten Tag regenfrei zu machen, etwa euren Hochzeitstag, kann niemand.

Trotzdem versuchen Menschen seit Jahrtausenden, das Wetter zu lenken: mit Glocken, Gebeten, Puppen am Fenster und heute mit Chemie im Flugzeug. Dieser Ratgeber zeigt, was die Wissenschaft wirklich kann, was der Volksglaube versucht und was Brautpaare realistisch tun können.

Was ist Wolkenimpfen?

Wolkenimpfen, englisch Cloud Seeding, ist der Versuch, Niederschlag durch künstliche Keime zu steuern. Meist wird Silberjodid verwendet, manchmal auch Trockeneis. Die winzigen Partikel wirken als Kondensations- oder Gefrierkeime, an die sich Wassertröpfchen anlagern.

Je nach Ziel soll das Verschiedenes bewirken:

Ziel Wie es funktionieren soll Wo es eingesetzt wird
Hagelabwehr Viele kleine statt weniger großer Hagelkörner, die schmelzen oder weniger Schaden anrichten Bayern, Baden-Württemberg, Steiermark, Tirol
Mehr Regen Wolken sollen in trockenen Gebieten abregnen Trockenregionen, etwa für Landwirtschaft
Mehr Schnee Winterniederschlag in Gebirgen verstärken Gebirgsregionen
Regen „umleiten“ Wolken regnen vor einer Zielregion ab Großereignisse wie Olympia 2008

Wichtig ist eine Einschränkung, die die Bundesregierung in einer Antwort an den Bundestag betont: Cloud Seeding erzeugt keinen zusätzlichen Niederschlag aus dem Nichts, sondern verteilt ihn bestenfalls um. Man braucht immer schon passende Wolken.

Was machen Hagelflieger in Bayern und Baden-Württemberg?

Hagelflieger sind kleine Propellerflugzeuge, die bei drohendem Hagel unter oder in Gewitterzellen fliegen und dort Silberjodid in einer Acetonlösung verbrennen. Laut einer Dokumentation der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags von 2024 sieht das in Deutschland so aus:

  • Bayern: Im Raum Rosenheim werden seit 1975 Hagelflüge durchgeführt. Nach den schweren Hagelschäden in München 1984 kam ein zweites Flugzeug dazu. Das Einsatzgebiet umfasst Stadt und Landkreis Rosenheim, die Landkreise Miesbach und Traunstein und seit 2000 auch Gemeinden in den Tiroler Bezirken Kufstein und Kitzbühel. Laut Hagelabwehr Rosenheim starten heute zwei Maschinen vom Flugplatz Vogtareuth.
  • Baden-Württemberg: Im Großraum Stuttgart fliegen Hagelflieger seit 1980. Weitere gibt es etwa in den Landkreisen Rottweil, Tuttlingen und im Schwarzwald-Baar-Kreis sowie im Rems-Murr-Kreis. Bezahlt wird das von Landkreisen, Gemeinden, Vereinen, landwirtschaftlichen Verbänden, Firmen und Versicherungen.

Auch in Österreich hat das Tradition. Die Steirische Hagelabwehr wurde 1955 gegründet. Anfangs schoss man Hagelraketen vom Boden in die Wolken, seit 1973 setzt man Flugzeuge mit sogenannten Hagelgeneratoren ein. Die Raketen wurden in den frühen 1980er-Jahren aufgegeben, weil sie für den wachsenden Flugverkehr zu gefährlich waren.

Wirken Hagelflieger?

Das ist umstritten. Die Bundesregierung schreibt, dass neuere Untersuchungen keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen geimpften und ungeimpften Hagelzellen ergeben haben. Das Land Baden-Württemberg lehnte 2013 eine Kostenbeteiligung ab, weil die Wirksamkeit nach bisherigen Erkenntnissen nicht erwiesen sei. Eine Auswertung des Karlsruher Instituts für Technologie zu Hagelereignissen im Raum Stuttgart 2007 bis 2009 kam dagegen zu dem Ergebnis, dass unter guten Bedingungen Korngröße und Hagelmenge reduziert werden konnten.

Kurz: Es gibt Indizien, aber keinen sauberen Beweis. Und selbst die Befürworter sprechen von kleineren Hagelkörnern, nicht von verhindertem Regen.

Wann und wo fliegen die Hagelflieger?

Hagelunwetter treten in Deutschland laut der Bundestags-Dokumentation in der Regel von Mai bis Mitte Oktober auf, also genau in der Hochzeitssaison. Die Wahrscheinlichkeit für Hagel nimmt von Norden nach Süden zu. Ein Schwerpunkt liegt nach Daten des KIT in der Region südlich von Stuttgart und auf der Schwäbischen Alb. Deshalb gibt es Hagelflieger vor allem im Süden: Sie sollen Obst- und Weinbau schützen, aber auch Häuser, Autos und Solaranlagen.

Ein Hagelflieger startet allerdings nicht für ein einzelnes Fest. Er fliegt, wenn das Radar eine gefährliche Gewitterzelle über dem Einsatzgebiet zeigt. Eure Gartenhochzeit ist dabei höchstens ein glücklicher Nebeneffekt.

Hat Wolkenimpfen Nebenwirkungen?

Ganz ohne geht es nicht. Die Bundesregierung weist darauf hin, dass das Regenwasser nach dem Impfen die Impfsubstanz enthält, was vor allem für die Landwirtschaft eine Rolle spielt, und dass Wolkenimpfen in größeren Regionen Umweltrisiken mit sich bringen kann, die sorgfältig überwacht werden müssen. Dazu kommt ein ganz praktisches Problem: Wenn eine Wolke vor deinem Ort abregnet, regnet sie eben woanders ab. Wetter beeinflussen heißt fast immer, Wetter zu verschieben. Für eine Hochzeit hieße das im Zweifel: Sonne bei euch, Platzregen beim Nachbardorf, das gerade sein Feuerwehrfest feiert.

Hat China bei Olympia 2008 den Regen gestoppt?

China hat es zumindest mit großem Aufwand versucht. Vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking am 8. August 2008 zogen Regenwolken auf die Stadt zu. Die Wetterbehörden schossen über mehrere Stunden mehr als 1.000 Raketen mit Silberjodid in die Wolken, damit sie vor der Stadt abregnen. Die Feier blieb trocken.

Ob die Raketen dafür verantwortlich waren, lässt sich aber nicht beweisen, denn man kann denselben Abend nicht noch einmal ohne Raketen ablaufen lassen. China betreibt bis heute ein großes staatliches Programm zur Wetterbeeinflussung. Für Brautpaare ist das trotzdem keine Option: Eine Raketenbatterie hinter der Scheune wäre selbst für die kreativste Hochzeitsplanerin eine Nummer zu groß.

Übrigens ist militärische Wetterbeeinflussung seit der ENMOD-Konvention von 1977 international verboten. Deutschland gehört zu den Vertragsstaaten.

Wie versuchte man früher, das Wetter zu beeinflussen?

Lange bevor Flugzeuge Silberjodid verbrannten, setzten Menschen auf Glauben und Brauchtum. Viele dieser Bräuche gibt es bis heute.

Kirchliche Bräuche

  • Wetterläuten: Zieht ein Gewitter auf, läuten die Kirchenglocken. Früher glaubte man, geweihte Glocken könnten Blitze und Hagel vertreiben. Im Alpenraum ist der Brauch bis heute lebendig.
  • Wettersegen: Zwischen dem 3. Mai und dem 14. September bitten katholische Gemeinden traditionell am Ende der Messe um gedeihliches Wetter.
  • Wetterkerzen: Geweihte Kerzen, die man bei Gewitter anzündete.
  • Wetterheilige: Von den Eisheiligen bis zum Siebenschläfer am 27. Juni, dem wohl bekanntesten Lostag für das Sommerwetter.

Wie aus Wetterangst einst sogar Hexenverfolgung wurde, beschreibt unser Ratgeber zur Wetterhexe.

Volksglaube und Alltagsrituale

  • Den Teller leer essen, damit morgen die Sonne scheint. Fast jedes Kind in Deutschland hat diesen Satz schon gehört.
  • Eine Wunschkerze anzünden am Abend vor dem großen Tag.
  • Einen Teru Teru Bozu aufhängen, die japanische Schönwetterpuppe aus Taschentuch oder Stoff. Wie das geht, steht in unserer Teru-Teru-Bozu-Anleitung.
  • Ein Ritual buchen, etwa bei einer modernen Wetterhexe.

Mehr Bräuche rund um Hochzeit und Wetter sammelt unser Ratgeber Hochzeit: Aberglaube rund ums Wetter.

Welche Irrtümer gibt es übers Wetterbeeinflussen?

  • „Man kann Regen einfach abschalten.“ Nein. Wolkenimpfen braucht passende Wolken und kann Niederschlag bestenfalls verschieben oder verändern, nicht wegzaubern.
  • „Hagelflieger schützen jede Feier.“ Sie fliegen nur bei gefährlichen Gewitterzellen über ihrem Einsatzgebiet, nicht auf Bestellung.
  • „Die Wetter-App weiß es drei Wochen vorher.“ Langfristprognosen für einen bestimmten Ort und Tag sind unzuverlässig. Besser sind historische Durchschnittswerte, und kurz vorher die echte Prognose.
  • „Ein Ritual verspricht Sonne.“ Wer dir das garantiert, sagt nicht die Wahrheit, egal ob Hexe, App oder Hochzeitsplaner.

Was können Brautpaare realistisch gegen Regen tun?

Regen verhindern könnt ihr nicht. Ihr könnt aber dafür sorgen, dass er euch den Tag nicht verdirbt. Diese Reihenfolge hat sich bewährt:

  1. Die echten Chancen kennen. Prüft, wie oft es an eurem Datum und Ort in den letzten Jahrzehnten geregnet hat. Unser kostenloser Rechner Regnet es an meiner Hochzeit? wertet mehr als 30 Jahre Wetterdaten aus.
  2. Das Datum klug wählen, falls noch nicht fix. Unsere Übersicht zum Hochzeitswetter nach Region und Monat hilft beim Vergleichen.
  3. Plan B von Anfang an mitplanen. Zelt, Scheune, überdachte Terrasse. Tipps findest du in Hochzeit bei Regen.
  4. Kleinigkeiten bereithalten. Transparente Schirme, Decken, Gummistiefel für Fotos.
  5. Die Kurzfristprognose ernst nehmen, aber erst ab etwa fünf bis sieben Tagen vorher. Davor ist sie eher Kaffeesatz als Wissenschaft.
  6. Und dann loslassen. Mit einem Ritual, einem Glas Sekt oder dem Gedanken, dass Regen am Hochzeitstag in vielen Regionen als Glück gilt. Warum, steht in Regen am Hochzeitstag.

Und was bringt ein Wetterritual?

Ehrlich: am Himmel nichts Messbares. Für euch kann es trotzdem viel bringen. Ein Ritual verwandelt das ohnmächtige Warten auf die Wetter-App in eine bewusste Handlung, es macht aus Sorge eine Geschichte und lässt euch gelassener in den Tag gehen.

Genau so verstehen wir unseren Hochzeits-Wetterzauber: ein persönliches Gutes-Wetter-Ritual für euer Datum und euren Ort, in den Nächten vor dem Tag durchgeführt, mit Fotobeweis und geschriebenem Segen. Wir versprechen keinen Sonnenschein. Das kann nicht einmal ein Hagelflieger.

Fazit

Das Wetter lässt sich nur sehr begrenzt beeinflussen. Wolkenimpfen mit Silberjodid wird in Deutschland vor allem gegen Hagel eingesetzt, rund um Rosenheim seit 1975 und im Großraum Stuttgart seit 1980. Ob es wirkt, ist laut Bundesregierung umstritten, und zusätzlichen Regen erzeugt es nicht. Auch Chinas Raketen bei Olympia 2008 sind kein sauberer Beweis.

Für eure Hochzeit heißt das: Regen verhindern kann niemand, weder Wissenschaft noch Wetterhexe. Was ihr tun könnt, ist planen, die echten Regenchancen kennen und euch mit einem Ritual oder Brauch die Gelassenheit holen, die der Tag verdient.

Häufige Fragen

Kann man das Wetter beeinflussen?

Nur in sehr kleinem Rahmen und mit unsicherem Erfolg. Beim Wolkenimpfen wird Silberjodid in Wolken gebracht, um Hagelkörner zu verkleinern oder Niederschlag früher auszulösen. Ein messtechnischer Nachweis, dass so zuverlässig mehr oder weniger Regen fällt, ist laut Bundesregierung bisher nicht gelungen. Einen bestimmten Tag regenfrei machen kann niemand.

Was ist Wolkenimpfen?

Wolkenimpfen, englisch Cloud Seeding, bedeutet, künstliche Kondensations- oder Gefrierkeime wie Silberjodid mit Flugzeugen oder Raketen in Wolken einzubringen. Je nach Ziel soll das Regen auslösen, Schnee verstärken oder bei Gewittern viele kleine statt weniger großer Hagelkörner entstehen lassen. Die Wirksamkeit ist wissenschaftlich umstritten.

Gibt es in Deutschland Hagelflieger?

Ja. Im Raum Rosenheim fliegen seit 1975 Hagelflieger, das Einsatzgebiet reicht bis in die Bezirke Kufstein und Kitzbühel in Tirol. Im Großraum Stuttgart gibt es sie seit 1980, außerdem in weiteren Landkreisen Baden-Württembergs. Finanziert werden sie meist von Landkreisen, Gemeinden, Vereinen, Landwirten und Versicherungen.

Hat China bei Olympia 2008 den Regen verhindert?

China hat es versucht. Vor der Eröffnungsfeier in Peking wurden mehr als 1.000 Raketen mit Silberjodid in heranziehende Wolken geschossen, damit sie vor der Stadt abregnen. Die Feier blieb trocken. Ob das an den Raketen lag oder am Wetter selbst, lässt sich wissenschaftlich nicht sauber nachweisen.

Wie kann ich Regen an meiner Hochzeit verhindern?

Verhindern kannst du ihn nicht, aber du kannst dich gut vorbereiten. Prüfe die historische Regenwahrscheinlichkeit für dein Datum und deinen Ort, plane einen überdachten Plan B, besorge Schirme und behalte die Kurzfristprognose im Blick. Ein Ritual für gutes Wetter kann zusätzlich beruhigen, ersetzt aber keine Planung.

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