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Weather Witch

Wetter-Brauchtum

Die Wetterhexe: Geschichte, Aberglaube und was sie heute bedeutet

Eine Wetterhexe ist eine Frau, der man nachsagt, das Wetter beeinflussen zu können. In der frühen Neuzeit war der Vorwurf des Wettermachens tödlich: Nach Hagel und Unwettern wurden in Europa Tausende Menschen als Hexen verfolgt. Heute ist die Wetterhexe ein freundliches Bild für Rituale, die sich gutes Wetter wünschen, etwa zur Hochzeit.

Vom Weather Witch-Team · Aktualisiert am 4. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Hexenhammer von Heinrich Kramer (Institoris), 1486 in Speyer gedruckt, widmet ein eigenes Kapitel der Frage, wie Hexen Hagel und Gewitter erregen.
  • Nach einem schweren Hagelsturm am 3. August 1562 ließ Graf Ulrich von Helfenstein in Wiesensteig dutzende Frauen als Hexen hinrichten; ein Flugblatt von 1563 spricht von 63 Opfern.
  • Der Großteil der Hexenprozesse im deutschsprachigen Raum fand zwischen 1580 und 1630 statt, einer Phase der Kleinen Eiszeit mit gehäuften Unwettern und Missernten.
  • Der katholische Wettersegen wird traditionell zwischen dem 3. Mai und dem 14. September gespendet.
  • Die Schillerglocke in Schaffhausen von 1486 trägt die Inschrift „Fulgura frango“: Die Blitze breche ich.

Eine Wetterhexe ist eine Frau, der man nachsagt, das Wetter beeinflussen zu können: Hagel herbeirufen, Gewitter schicken, die Sonne festhalten. Heute klingt das nach Märchenbuch oder TikTok. Vor rund 450 Jahren war es ein Todesurteil. Nach schweren Unwettern wurden im deutschsprachigen Raum Hunderte Frauen und auch Männer als Wettermacher angeklagt, gefoltert und verbrannt.

Dieser Ratgeber erzählt beide Seiten: die dunkle Geschichte des Wetterzaubers vom Hexenhammer bis zur Kleinen Eiszeit, die kirchlichen Gegenmittel wie Wetterläuten und Wettersegen und die freundliche moderne Wetterhexe, die heute Brautpaaren Glück für ihren Tag wünscht.

Was ist eine Wetterhexe?

Eine Wetterhexe ist im Volksglauben eine Hexe, die das Wetter „macht“, also durch Zauber Unwetter, Hagel, Frost oder Dürre auslöst oder abwendet. Der historische Fachbegriff dafür ist Wettermachen oder Wetterzauber. Er gehörte zu den sogenannten Schadenszaubern, also zu dem, was man Hexen konkret vorwarf.

Heute hat das Wort zwei ganz unterschiedliche Bedeutungen:

  1. Historisch: die angebliche Täterin hinter Hagel und Missernten, Opfer von Hexenprozessen.
  2. Modern: eine Person, die Rituale für gutes Wetter durchführt, etwa für eine Hochzeit. Diese Bedeutung ist durch den Trend der Etsy-Hexen bekannt geworden.

Woher kommt der Glaube an Wetterzauber im Mittelalter?

Der Glaube an Wetterzauber ist älter als jede Hexenjagd. Schon in vorchristlicher Zeit versuchten Menschen, mit Opfern und Beschwörungen Regen zu holen oder Unwetter abzuwenden. Im frühen und hohen Mittelalter war die Kirche lange sogar skeptisch: Menschen, so die Lehre, könnten das Wetter gar nicht machen, das liege allein bei Gott.

Das änderte sich im Spätmittelalter. Theologen begannen zu lehren, dass der Teufel durch Hexen wirken könne, mit Gottes Zulassung. Damit wurde das Wettermachen vom Aberglauben zum Verbrechen.

Was steht im Hexenhammer über Wetterhexen?

Der Hexenhammer (Malleus maleficarum) des Dominikaners und Inquisitors Heinrich Kramer, latinisiert Henricus Institoris, erschien 1486 erstmals in Speyer. Er wurde zu einem der einflussreichsten Bücher der Hexenverfolgung. Im zweiten Teil widmet er ein ganzes Kapitel der Frage, wie Hexen „Hagelschlag und Gewitter zu erregen und auch Blitze auf Menschen und Haustiere zu schleudern pflegen“. Die Erklärung des Buches: Dämonen erzeugten die Unwetter, mit Gottes Zulassung, auf Bitten ihrer menschlichen Verbündeten. Nachzulesen ist das Kapitel in der deutschen Übersetzung von 1923 auf Wikisource.

Für die Verfolgung war das fatal: Wenn Hagel nicht mehr nur Strafe Gottes war, sondern Menschenwerk, gab es Schuldige. Und Schuldige konnte man fangen.

Warum wurden Frauen wegen Unwettern als Hexen verfolgt?

Weil Wetter über Leben und Tod entschied. Ein einziger Hagelschlag konnte die Ernte eines ganzen Dorfes vernichten, und eine Missernte bedeutete Hunger. Die Verfolgungen erreichten ihren Höhepunkt genau in einer Zeit, in der das Wetter besonders grausam war.

Die Kleine Eiszeit

Das Gros der Hexenprozesse im deutschsprachigen Raum fand zwischen 1580 und 1630 statt. Das fällt mit einer besonders kalten, unwetterreichen Phase der sogenannten Kleinen Eiszeit zusammen: kalte Frühjahre, Hagel, Missernten, Hunger und Seuchen. Der Historiker Wolfgang Behringer hat argumentiert, dass dieser Klimadruck die Verfolgungen indirekt angefacht hat. Die Bevölkerung verlangte von der Obrigkeit, etwas zu tun, und eine Antwort war, die angeblichen Verursacher der Unwetter zu suchen.

Wiesensteig 1562: ein Hagelsturm und 63 Tote

Eines der frühesten und schrecklichsten Beispiele liegt auf der Schwäbischen Alb. Am 3. August 1562 zog ein schwerer Hagelsturm über die Gegend von Wiesensteig. Graf Ulrich von Helfenstein ließ kurz darauf Frauen verhaften, die das Unwetter angeblich gezaubert hatten. Ein Flugblatt von 1563 berichtet von den „63 Hexen und Unholden“, die in Wiesensteig verbrannt wurden. Die Verfolgung von Wiesensteig gilt als eine der ersten großen Hexenjagden Deutschlands nach der Reformation. Die Stadt hat sich inzwischen öffentlich mit diesem Teil ihrer Geschichte auseinandergesetzt und die Opfer rehabilitiert.

Steiermark: Wetterzauber als häufigster Vorwurf

Auch in Österreich spielte das Wetter eine zentrale Rolle. In steirischen Prozessakten war Wetterzauber nach dem allgemeinen Zaubereivorwurf eine der häufigsten Anschuldigungen. Der größte Hexenprozess der Steiermark fand 1673 bis 1675 am Landgericht Feldbach statt, knapp 100 Frauen und Männer aus der Gegend um Riegersburg standen vor Gericht. Vorausgegangen war das Jahr 1673 mit schweren Unwettern, verwüsteten Weingärten und vernichteter Ernte.

Jahr Ort Was geschah
1486 Speyer Der Hexenhammer erscheint und beschreibt, wie Hexen Hagel und Gewitter „erregen“
1562 Wiesensteig (Schwäbische Alb) Nach einem Hagelsturm werden dutzende Frauen als Hexen verbrannt
1580–1630 Deutschsprachiger Raum Höhepunkt der Hexenprozesse, Kleine Eiszeit mit Unwettern und Missernten
1673–1675 Feldbach (Steiermark) Größter steirischer Hexenprozess nach einem Unwetterjahr

Das ist der Teil der Geschichte, den man beim Wort „Wetterhexe“ nicht vergessen sollte. Hinter dem Bild stehen echte Menschen, oft arme, alte oder unbequeme Frauen, die für etwas starben, das niemand machen kann.

Wie schützte man sich früher vor Unwetter?

Neben der Verfolgung gab es auch Abwehrbräuche, viele davon kirchlich. Einige sind bis heute lebendig.

Wetterläuten

Beim Wetterläuten läuten die Kirchenglocken, sobald ein Gewitter aufzieht. Früher glaubte man, geweihte Glocken könnten Blitze brechen und Hagel vertreiben. Ab dem 15. Jahrhundert trugen viele Glocken lateinische Inschriften dazu. Die berühmteste ist die Schillerglocke in Schaffhausen von 1486: „Vivos voco. Mortuos plango. Fulgura frango.“ Die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich, die Blitze breche ich.

Die Obrigkeit bekämpfte das Wetterläuten in der frühen Neuzeit teils als magische Praxis, die Bevölkerung hielt aber lange daran fest. Im Alpenraum, in Teilen Süddeutschlands, Österreichs, Südtirols und der Schweiz wird es bis heute praktiziert, inzwischen auch als akustische Warnung.

Wettersegen und Wetterkerzen

Der Wettersegen ist eine katholische Segensbitte um gedeihliches Wetter und Schutz vor Unwetter. Traditionell wird er vom Fest der Kreuzauffindung am 3. Mai bis zur Kreuzerhöhung am 14. September am Ende der Messe gespendet, regional schon ab dem Markustag am 25. April. Früher gehörten dazu auch geweihte Wetter- oder Schauerkerzen, die man bei Gewitter anzündete.

Wetterheilige

Für fast jede Wetterlage gab es Heilige und Lostage: die Eisheiligen Mitte Mai, Medardus am 8. Juni, den Siebenschläfer am 27. Juni. Die „Wetterherren“ Johannes und Paulus wurden mit Hagelprozessionen geehrt. Wer heute Bauernregeln zitiert, steht in genau dieser Tradition, und welche davon tatsächlich stimmen, zeigt unser Bauernregeln-Faktencheck. Mehr dazu findest du in unserem Ratgeber zu Hochzeitsbräuchen und Aberglauben rund ums Wetter.

Was ist eine moderne Wetterhexe?

Eine moderne Wetterhexe ist eine Person, die Rituale für gutes Wetter anbietet, ganz ohne Schadenszauber und mit einem Augenzwinkern. Das Wort hat sich vom Vorwurf zum Kompliment gewandelt. Bekannt wurde die Figur durch den Trend der Etsy-Hexen ab 2025, als Brautpaare online Schönwetter-Rituale für ihre Hochzeit buchten. Laut Neuer Westfälischer kosten solche Rituale auf Etsy meist 3 bis 20 Euro.

Was eine moderne Wetterhexe typischerweise tut:

  1. Sie fragt nach Datum, Ort und Anlass, also danach, wofür das Wetter halten soll.
  2. Sie wählt einen Zeitpunkt, oft die Nächte vor dem Ereignis oder eine bestimmte Mondphase.
  3. Sie führt ein Ritual durch, mit Kerzen, Kräutern, Wasser, Worten, je nach Tradition.
  4. Sie dokumentiert es, meist mit einem Foto.
  5. Sie gibt etwas mit, etwa einen Segen oder eine Affirmation für das Paar.

Ehrlich gesagt: Keine Wetterhexe kann Regen stoppen, keine heutige und keine historische. Darin liegt die Ironie der Geschichte. Die Frauen von Wiesensteig mussten sterben, weil man ihnen eine Macht zuschrieb, die es nicht gibt. Die moderne Wetterhexe sagt im besten Fall offen, dass sie diese Macht nicht hat, und bietet stattdessen etwas, das es wirklich gibt: Ruhe, Ritual und ein gutes Gefühl.

Kann eine Wetterhexe heute bei der Hochzeit helfen?

Sie kann das Wetter nicht ändern, aber sie kann dir helfen, gelassener zu bleiben. Viele Paare kombinieren drei Dinge:

Bei Weather Witch verstehen wir uns als moderne Wetterhexen in genau diesem Sinn. Unser Hochzeits-Wetterzauber ist ein persönliches Gutes-Wetter-Ritual für euer Datum und euren Ort, durchgeführt in den Nächten vor dem Tag, mit Fotobeweis und einem geschriebenen Segen. Ohne Versprechen, mit viel Herz.

Fazit

Die Wetterhexe hat eine dunkle Vergangenheit. Der Hexenhammer von 1486 erklärte, Hexen könnten mit dämonischer Hilfe Hagel und Gewitter machen, und in der Kleinen Eiszeit wurde dieser Vorwurf zur tödlichen Anklage, von Wiesensteig 1562 bis Feldbach in der Steiermark 1673. Gleichzeitig entstanden Abwehrbräuche wie Wetterläuten und Wettersegen, die es im Alpenraum bis heute gibt.

Die moderne Wetterhexe ist das Gegenteil der historischen Schreckfigur: Sie macht kein Unwetter, sie wünscht schönes Wetter, und die ehrlichen unter ihnen sagen dir, dass sie nichts garantieren können. Wenn du dir für deinen großen Tag eine wünschst, nimm sie als das, was sie ist: ein Ritual, ein Wunsch und eine gute Geschichte.

Häufige Fragen

Was ist eine Wetterhexe?

Eine Wetterhexe ist eine Person, meist eine Frau, der man nachsagt, das Wetter machen oder beeinflussen zu können. In der frühen Neuzeit war das ein gefährlicher Vorwurf, denn nach Hagel oder Unwettern wurden Menschen als Wettermacherinnen angeklagt und hingerichtet. Heute bezeichnet man so eher augenzwinkernd jemanden, der Rituale für gutes Wetter durchführt.

Warum glaubte man, Hexen könnten das Wetter machen?

Unwetter, Hagel und Missernten bedrohten die Existenz ganzer Dörfer, und man suchte nach Schuldigen. Theologen wie Heinrich Kramer lehrten im Hexenhammer von 1486, dass Hexen mit Hilfe von Dämonen und mit Gottes Zulassung Hagel und Gewitter erregen könnten. In Zeiten der Kleinen Eiszeit mit vielen Wetterkatastrophen wurde dieser Vorwurf besonders häufig erhoben.

Was bedeutet Wettermachen?

Wettermachen ist der historische Begriff für den angeblichen Schadenszauber, mit dem Hexen oder Zauberer Hagel, Gewitter, Frost oder Dürre herbeigeführt haben sollen. In Hexenprozessen, etwa in der Steiermark, war Wetterzauber einer der häufigsten konkreten Anklagepunkte. Wer als Wettermacher galt, riskierte Folter und Tod.

Was ist Wetterläuten?

Beim Wetterläuten werden Kirchenglocken geläutet, wenn ein Gewitter aufzieht. Früher glaubte man, geweihte Glocken könnten Blitze und Hagel abwehren. Die Obrigkeit hat den Brauch in der frühen Neuzeit teils bekämpft, im Alpenraum, in Teilen Süddeutschlands, Österreichs, Südtirols und der Schweiz ist er bis heute erhalten.

Gibt es heute noch Wetterhexen?

Ja, aber ganz anders als früher. Moderne Wetterhexen sind Menschen, die Rituale für gutes Wetter anbieten, etwa für Hochzeiten, oft online und durch den Etsy-Hexen-Trend bekannt geworden. Seriöse Anbieterinnen sagen offen, dass sie kein Wetter garantieren können. Es geht um Intention, Tradition und ein gutes Gefühl.

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