Zum Inhalt springen
Weather Witch

Wetter-Brauchtum

Petrus und das Wetter: Wie der Himmelspförtner zum Wettergott wurde

Petrus gilt im deutschen Volksglauben als zuständig für das Wetter, besonders für Regen. Der Grund liegt in seinen Schlüsseln: Als Himmelspförtner mit den „Schlüsseln zum Himmelreich“ (Matthäus 16,19) bewacht er die Himmelstür, und damit, so die Volkslogik, auch die Schleusen des Himmels. Er ist allerdings kein offizieller Wetterpatron der Kirche.

Vom Weather Witch-Team · Aktualisiert am 4. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Im deutschen Volksglauben wird der Apostel Petrus für das Wetter verantwortlich gemacht, insbesondere für Regenwetter.
  • Petrus' Hauptattribut sind die Schlüssel zum Himmelreich nach Matthäus 16,19; daher gilt er volkstümlich als Himmelspförtner.
  • Der römische Gott Janus wurde mit Schlüsseln dargestellt, als Wächter der Himmelspforte und als Aufschließer und Zuschließer des Himmels und der Wolken.
  • Weitere Lostage im Wetterkalender sind die Eisheiligen vom 11. bis 15. Mai, Medardus am 8. Juni und der Siebenschläfertag am 27. Juni.
  • Die Siebenschläferregel trifft für Süddeutschland in etwa 60 bis 70 Prozent der Fälle zu, für Norddeutschland ist sie weniger zuverlässig.

Petrus gilt im deutschen Volksglauben als zuständig für das Wetter, besonders für Regen. Der Grund sind seine Schlüssel: Als Himmelspförtner mit den „Schlüsseln zum Himmelreich“ bewacht er die Himmelstür, und wer die Tür bewacht, so die Volkslogik, verwaltet auch alles, was durch sie herunterkommt. Ein offizieller Wetterpatron der Kirche ist er allerdings nicht.

Trotzdem kennt jeder die Sätze: „Petrus meint es gut mit uns“, „Petrus hat ein Einsehen“, „Da hat Petrus wohl schlechte Laune“. Hier erfährst du, wie der Fischer vom See Genezareth zum Wettergott wider Willen wurde, welche Wetterheiligen sonst noch im Kalender stehen und wie Brautpaare bis heute versuchen, ihn zu bestechen.

Warum ist Petrus für das Wetter zuständig?

Petrus ist für das Wetter zuständig, weil er im Volksglauben den Himmel aufschließt. Im Matthäusevangelium (16,19) sagt Jesus zu ihm: „Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben.“ Die Schlüssel wurden sein wichtigstes Heiligenattribut, und daraus entstand das allgemein verbreitete Bild von Petrus als Türsteher des Himmels, der die Seelen einlässt oder abweist.

Die Wikipedia fasst es nüchtern zusammen: Im Volksglauben werde Petrus „auch für das Wetter, insbesondere das Regenwetter verantwortlich gemacht“. Der Schritt vom Pförtner zum Wettermann ist kurz. Wenn der Himmel eine Tür hat und einer den Schlüssel, dann ist auch klar, wer die Schleusen öffnet.

Das Erbe von Janus und Donar

Petrus hat diese Rolle womöglich geerbt. Der römische Gott Janus, Gott der Türen, Tore und Anfänge, wurde mit einem oder mehreren Schlüsseln dargestellt, als Wächter der Himmelspforte und, so heißt es im Wikipedia-Artikel zu Janus, als „Aufschließer und Zuschließer des Himmels, der Wolken, des Landes und des Meeres“. Der Artikel zu den Wetterheiligen nennt Petrus ausdrücklich einen kulturgeschichtlichen Nachfolger des Janus.

Im germanischen Raum gibt es eine zweite Spur. Beim westfälischen Brauch des Sonnenvogeljagens an Petri Stuhlfeier (22. Februar) zogen Kinder von Haus zu Haus und klopften mit Hämmern an Türen und Schwellen. Manche Volkskundler deuteten das als Huldigung an Sankt Peter, „der im Christentum den Bauerngott der Heiden besiegte und sein Erbe als Wettermacher übernahm“, gemeint ist Donar, der Donnergott mit dem Hammer. Ob das stimmt, ist offen; es ist eine Deutung, kein Beleg. Aber sie zeigt, wie früh Petrus in Wetterfragen auftaucht.

Ist Petrus offiziell der Wetterheilige?

Offiziell nicht. Die katholische Kirche verehrt Petrus als Patron der Päpste, der Städte Rom, Trier, Regensburg, Worms, Bremen und Posen sowie zahlreicher Berufe, von Fischern und Schiffern über Schmiede und Schlosser bis zu Uhrmachern und Maurern. Wetter steht nicht auf dieser Liste.

Sein Wetteramt ist reine Volksfrömmigkeit, und gerade deshalb so zäh. Kein anderer Heiliger wird in Deutschland so selbstverständlich beim Grillen, beim Stadtfest und vor jeder Gartenhochzeit erwähnt, oft auch von Menschen, die sonst wenig mit Heiligen anfangen.

Wer ist der Wettergott?

Im deutschen Alltag ist mit „dem Wettergott“ fast immer Petrus gemeint, auch wenn er streng genommen ein Heiliger und kein Gott ist. „Der Wettergott meint es gut mit uns“ und „Petrus meint es gut mit uns“ sind austauschbar. Die echten Wettergötter stammen aus älteren Religionen: Bei den Germanen war es der Donnergott Donar (nordisch Thor) mit seinem Hammer, bei den Griechen Zeus mit dem Blitz, bei den Römern Jupiter. Im christlichen Volksglauben übernahm Petrus diese Rolle, zusammen mit einer Reihe von Wetterheiligen und Lostagen, deren Bauernregeln wir in unserem Bauernregeln-Faktencheck prüfen.

Petrus-Sprüche: Von „Petrus hat ein Einsehen“ bis „Petrus meint es gut“

Die Sprüche rund um Petrus und das Wetter behandeln ihn wie einen launischen, aber bestechlichen Hausmeister des Himmels.

Spruch Bedeutung
„Petrus hat ein Einsehen.“ Das Wetter spielt doch noch mit, etwa wenn der Regen pünktlich aufhört
„Petrus meint es gut mit uns.“ Strahlender Sonnenschein
„Petrus hat schlechte Laune.“ Dauerregen oder Gewitter
„Da hat Petrus wohl die Schleusen geöffnet.“ Platzregen
„Wir haben mit Petrus verhandelt.“ Klassiker in Hochzeitsreden und -zeitungen
„Peter und Paul hängen einem die Kirschen ins Maul.“ Bauernregel zum 29. Juni: Die Süßkirschen sind reif

Petrus hat zwei Gedenktage, die im Bauernkalender eine Rolle spielen: Petri Stuhlfeier am 22. Februar, früher vielerorts als Frühlingsbeginn gezählt, und Peter und Paul am 29. Juni.

Welche Wetterheiligen gibt es noch?

Neben Petrus stehen mehrere Heilige im deutschen Wetterkalender, entweder als Schutzpatrone gegen Unwetter oder als sogenannte Lostage, an denen man das kommende Wetter ablesen wollte.

Heiliger oder Tag Datum Bauernregel oder Rolle Was die Meteorologie sagt
Eisheilige: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius, Kalte Sophie 11. bis 15. Mai Erst nach der Kalten Sophie ist das Frühlingswetter stabil Über 100 Jahre betrachtet trafen sie in Deutschland nach heutigem Kalender in 61 % der Fälle nicht zu; in Österreich zeigen Messreihen einen deutlichen Temperatureinbruch
Medardus 8. Juni „Wenn es an Medardus regnet, wird es 40 Tage nass.“ Ähnliche Regeln gibt es in Frankreich, Tschechien und Ungarn
Siebenschläfer 27. Juni „Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt.“ Trifft für Süddeutschland in etwa 60 bis 70 % der Fälle zu, gilt aber eher für Anfang Juli
Johannes und Paulus 26. Juni Schutz vor Hagel, früher mit Hagelprozessionen Volksfrömmigkeit
Anna, Barbara, Donatus verschiedene Angerufen gegen Gewitter und Blitz Volksfrömmigkeit

Der Siebenschläfer ist der interessanteste Fall. Durch die gregorianische Kalenderreform von 1582 liegt der „eigentliche“ Siebenschläfer heute eher Anfang Juli. Laut Wikipedia hat der Meteorologe Franz Baur für den 5. bis 10. Juli eine statistische Häufung nachgewiesen: Um diese Zeit stellt sich die Großwetterlage oft für Wochen ein. Für Hochzeiten im Juli und August in Süddeutschland ist das ein kleiner, echter Hinweis. Mehr nicht. Wie gut die Regel in den letzten zehn Jahren abgeschnitten hat, zeigt unser Datencheck zum Siebenschläfertag; was von den Frostnächten im Mai zu halten ist, steht im Ratgeber zu den Eisheiligen.

Wie Brautpaare Petrus bestechen

Weil Petrus im Volksglauben verhandelbar ist, versuchen Brautpaare seit Generationen, ihn auf ihre Seite zu ziehen. Ernst gemeint ist das selten, beruhigend ist es oft.

  1. Teller leer essen. Der Glaube, dass leer gegessene Teller schönes Wetter bringen, ist schon 1862 im Erzgebirge als allgemein verbreitet notiert. Ein Schild am Buffet („Teller leer, Petrus froh“) erledigt nebenbei die Reste-Frage.
  2. Ein Brief an Petrus. Datum, Ort, Uhrzeit der Trauung, ein freundlicher Ton, ans Fenster gelegt in den Nächten vor der Hochzeit.
  3. Ein Glas auf Petrus. Beim Polterabend den ersten Schluck „für Petrus“ ausgießen oder anstoßen.
  4. Petrus in der Hochzeitszeitung. „Wir haben mit Petrus verhandelt“ ist so alt wie die Hochzeitszeitung selbst, und funktioniert jedes Mal.
  5. Regen trotzdem willkommen heißen. Und falls Petrus nicht mitspielt: „Wenn es der Braut in den Kranz regnet, ist die Ehe gesegnet.“ Mehr dazu in unserem Ratgeber Hochzeitsaberglaube und Wetter.

Wenn du mehr solcher Rituale suchst, findest du sie bei unseren Ritualen für gutes Wetter zur Hochzeit. Und einen Überblick über Polterabend, Baumstamm sägen und alle anderen Traditionen gibt es in unserer großen Liste der Hochzeitsbräuche.

Wer Petrus lieber Profis überlässt: Unser persönliches Hochzeits-Wetterritual wird in den Nächten vor eurem Tag für euer Datum und euren Ort durchgeführt, mit Foto-Nachweis und geschriebenem Segen. Versprechen können wir, was Petrus auch nicht verspricht: nichts. Aber die Sorge hat dann eine Adresse.

Kann man Petrus wirklich beeinflussen?

Nein, und das sagen wir als Weather Witch ganz offen. Kein Brief, kein Teller und kein Ritual verschiebt nachweislich eine Wetterfront. Warum Rituale trotzdem guttun, erklären wir im Ratgeber Kann man das Wetter beeinflussen?.

Was wirklich hilft, ist ein ehrlicher Blick auf die Statistik und ein Plan B. Unser kostenloses Tool Regnet es an meiner Hochzeit? zeigt dir anhand von 30 Jahren Wetterdaten, wie oft es an deinem Datum und Ort geregnet hat. Dann weißt du, wie viel Verhandlungsgeschick du bei Petrus brauchst.

Fazit

Petrus ist im deutschen Volksglauben für das Wetter zuständig, weil er als Himmelspförtner die Schlüssel zum Himmelreich hält und damit, so die Logik, auch die Schleusen des Himmels. Vermutlich hat er die Rolle von älteren Figuren wie dem römischen Janus geerbt. Offizieller Wetterpatron ist er nicht, im Kalender teilt er sich das Wetter mit den Eisheiligen, Medardus und den Siebenschläfern. Brautpaare verhandeln trotzdem gern mit ihm: mit leeren Tellern, Briefen und einem Glas Sekt. Das ändert die Vorhersage nicht, aber die Stimmung. Und falls Petrus doch kein Einsehen hat, bleibt der schönste Trost des Volksglaubens: Regen in den Brautkranz bringt Segen.

Häufige Fragen

Warum ist Petrus für das Wetter zuständig?

Weil er im Volksglauben der Himmelspförtner ist. Nach Matthäus 16,19 verspricht Jesus ihm die Schlüssel zum Himmelreich, und wer die Himmelstür bewacht, ist nach dieser Logik auch für das zuständig, was vom Himmel kommt, vor allem Regen. Schon der römische Gott Janus wurde mit Schlüsseln als Öffner und Schließer des Himmels und der Wolken dargestellt.

Ist Petrus offiziell der Schutzpatron des Wetters?

Nein. Die katholische Kirche kennt Petrus als Patron der Päpste, mehrerer Städte wie Rom, Trier und Regensburg und vieler Berufe, etwa der Fischer, Schmiede und Uhrmacher. Für das Wetter ist er nur im Volksglauben zuständig. Das macht ihn aber nicht weniger beliebt, denn kaum ein Heiliger wird bei Hochzeiten und Grillfesten so oft angerufen.

Was bedeutet „Petrus hat ein Einsehen“?

Die Redewendung bedeutet, dass das Wetter doch noch mitspielt, etwa wenn der Regen pünktlich zur Trauung aufhört. „Petrus meint es gut mit uns“ sagt man bei Sonnenschein, „Petrus hat schlechte Laune“ bei Platzregen. Alle Sprüche behandeln Petrus wie einen launischen Hausmeister des Himmels, mit dem man verhandeln kann.

Welche Wetterheiligen gibt es noch?

Bekannt sind vor allem die Eisheiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die Kalte Sophie vom 11. bis 15. Mai, Medardus am 8. Juni und die Siebenschläfer am 27. Juni. Als Wetterheilige gegen Gewitter und Hagel gelten außerdem unter anderem Anna, Barbara, Donatus sowie Johannes und Paulus, an deren Festtag früher Hagelprozessionen stattfanden.

Wie kann man Petrus für die Hochzeit gnädig stimmen?

Mit einem Augenzwinkern: ein Brief an Petrus am Fenster, ein Glas Sekt auf ihn beim Polterabend, ein Spruch in der Hochzeitszeitung oder der alte Brauch, die Teller leer zu essen. Nichts davon ändert das Wetter nachweislich. Es hilft aber, die Sorge loszulassen. Sinnvoller als jede Bestechung ist ein Plan B mit Zelt und Schirmen.