Zum Inhalt springen
Weather Witch

Wetter-Brauchtum

Schafskälte im Juni: Mythos, Statistik und Tipps für Juni-Hochzeiten

Die Schafskälte ist ein Kälteeinbruch, der in Mitteleuropa häufig zwischen dem 4. und 20. Juni auftritt, am häufigsten um den 11. Juni. Polare Luft strömt dann aus Nordwesten ein. Laut Deutschem Wetterdienst ist es vom 10. bis 12. Juni in etwa 80 Prozent der Jahre kühler als im Durchschnitt. Für Juni-Hochzeiten heißt das: Jacke, Decken und Plan B einpacken.

Vom Weather Witch-Team · Aktualisiert am 4. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Schafskälte tritt in Mitteleuropa meist zwischen dem 4. und 20. Juni auf, mit einem Häufigkeitsmaximum um den 11. Juni.
  • Laut Deutschem Wetterdienst liegt die Temperatur vom 10. bis 12. Juni in etwa 80 Prozent der Jahre unter dem Durchschnitt, die Niederschlagsaktivität in rund 55 Prozent darüber.
  • Der Name kommt daher, dass Schafe zu dieser Zeit traditionell schon geschoren sind und den Kälteeinbruch besonders spüren.
  • In der Weather-Witch-Auswertung von 12 DACH-Orten (ERA5, 2015–2024) waren die Tage vom 10. bis 12. Juni in 77 von 120 Fällen kühler als Anfang und Ende Juni.
  • Die Hundstage dauern traditionell vom 23. Juli bis 23. August und sind nach dem Sternbild Großer Hund benannt.

Die Schafskälte ist ein Kälteeinbruch, der in Mitteleuropa häufig zwischen dem 4. und 20. Juni auftritt, am häufigsten um den 11. Juni. Polare Luft strömt dann aus Nordwesten nach Deutschland, die Temperaturen fallen deutlich, und oft kommen Schauer dazu. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) ist es vom 10. bis 12. Juni in etwa 80 Prozent der Jahre kühler als im Durchschnitt.

Der Juni ist einer der beliebtesten Hochzeitsmonate, und damit trifft die Schafskälte jedes Jahr tausende Brautpaare. Hier erfährst du, woher sie kommt, wie oft sie wirklich auftritt, was unsere Wetterdaten zeigen und wie du deine Juni-Hochzeit darauf vorbereitest.

Was ist die Schafskälte?

Die Schafskälte ist eine sogenannte meteorologische Singularität: ein Wetterabschnitt, der zu einer bestimmten Zeit im Jahr gehäuft auftritt, aber kein festes Datum hat. Anders als der Siebenschläfertag oder die Eisheiligen ist sie an keinen Heiligen gebunden.

Ihr Name ist bäuerlich-praktisch: Schäfer scheren ihre Schafe traditionell im späten Frühjahr. Kommt dann im Juni noch einmal kalte Luft, frieren die frisch geschorenen Tiere besonders. Der DWD formuliert es in seinem Thema des Tages so, dass es den frisch „rasierten“ Schafen dann ziemlich kalt werden kann.

Warum kommt die Schafskälte?

Die Schafskälte entsteht, weil sich Land und Meer im Frühsommer unterschiedlich schnell erwärmen. Im Juni ist das Festland schon warm, Nordsee und Nordatlantik sind wegen ihrer hohen Wärmekapazität noch kühl. Dreht der Wind von Südwest auf Nordwest, wird Kaltluft polaren Ursprungs über das Europäische Nordmeer und die Nordsee nach Mitteleuropa geführt. In klaren Nächten verstärkt die Ausstrahlung die Abkühlung zusätzlich.

Typisch für eine Schafskälte-Phase:

  • Höchstwerte, die oft von über 20 °C auf unter 18 °C fallen
  • Nordwestwind, oft böig
  • Schauer und viele Wolken
  • Kühle Nächte im einstelligen Bereich

Im Juni 2024 lag die deutschlandweite Tagesmitteltemperatur während der Schafskälte laut DWD unter 12 °C. Normal sind im Juni etwa 16 °C.

Wie oft gibt es die Schafskälte?

Wie oft es die Schafskälte gibt, hängt stark davon ab, wie man sie definiert. Die Zahlen klingen deshalb widersprüchlich, sind es aber nicht:

Quelle und Definition Zeitraum Häufigkeit
DWD: Temperatur 10. bis 12. Juni unter dem Durchschnitt langjährig ca. 80 %
DWD: Niederschlag 10. bis 12. Juni über dem Durchschnitt langjährig ca. 55 %
Flohn und Hess (1949), ausgeprägter Kälteeinbruch 1881–1947 89 %
Ausgeprägter Kälteeinbruch 1921–1990 73 %
Ausgeprägter Kälteeinbruch letzte 100 Jahre 61 %
Ausgeprägter Kälteeinbruch letzte 30 Jahre 33 %

Die historischen Werte stammen aus der Zusammenstellung der Wikipedia. Die Botschaft: Ein kühlerer Abschnitt Mitte Juni ist nach wie vor häufig. Ein richtig kräftiger Kälteeinbruch ist mit dem Klimawandel aber deutlich seltener geworden, was auch der DWD bestätigt.

Unser Datencheck: 12 Hochzeitsorte, 2015–2024

Wir haben die Tageshöchstwerte 2015–2024 (ERA5-Reanalyse über Open-Meteo) für zwölf Orte in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgewertet. Die Frage: Waren die Tage vom 10. bis 12. Juni kühler als Anfang Juni (1. bis 3.) und Ende Juni (19. bis 21.) im selben Jahr?

Das Ergebnis: In 77 von 120 Fällen, also 64 Prozent, war es um den 11. Juni kühler. Am deutlichsten war das am Bodensee und in Zürich (je 8 von 10 Jahren), am schwächsten an der Ostsee und in Salzburg (je 5 von 10).

Ort Ø Höchstwert 4.–20. Juni Tage unter 18 °C pro Jahr (4.–20. Juni) Jahre mit 3+ kühlen Tagen in Folge
Wien 25,0 °C 0,5 0 von 10
Berlin 23,9 °C 1,0 1 von 10
Schwarzwald 23,1 °C 2,0 1 von 10
Salzburg 23,0 °C 2,5 3 von 10
Köln 22,7 °C 1,6 2 von 10
Bodensee 22,6 °C 2,6 2 von 10
Zürich 22,5 °C 2,7 2 von 10
München 22,1 °C 3,1 3 von 10
Hamburg 21,9 °C 2,7 3 von 10
Ostsee 20,8 °C 4,3 2 von 10
Tegernsee 20,5 °C 4,5 4 von 10

„Kühle Tage“ meint Tage mit einem Höchstwert unter 18 °C. Sylt haben wir nicht aufgenommen, weil die Rasterzelle dort vom Meer geprägt ist und ganzjährig deutlich kühlere Werte liefert.

Die Tabelle zeigt, was die Schafskälte heute meistens ist: ein, zwei, drei kühle Tage in einem ansonsten angenehmen Monat. Am Tegernsee und an der Ostsee ist die Chance auf einen kühlen Hochzeitstag Mitte Juni am größten, in Wien und Berlin am kleinsten.

Juni-Hochzeit und Schafskälte: So plant ihr richtig

Eine Hochzeit im Juni ist trotz Schafskälte eine gute Idee, wenn ihr kühle und nasse Stunden einplant. Das größere Thema im Juni ist ohnehin der Regen: In unserer Auswertung für den Ratgeber zum besten Monat zum Heiraten regnete es im Juni in Berlin an 34 Prozent der Tage, in München an 50 Prozent und am Tegernsee an 58 Prozent.

Wie oft es an eurem genauen Datum geregnet hat, zeigt unser kostenloses Tool Regnet es an meiner Hochzeit?.

Ein paar Paare erzählen uns, dass sie bei aller Planung trotzdem nachts wach liegen, wenn der Juni-Wetterbericht kippt. Für sie gibt es unser persönliches Wetterritual: in den Nächten vor eurem Tag für euer Datum und euren Ort durchgeführt, mit Foto-Nachweis und geschriebenem Segen. Ehrlich gesagt: Die Nordwestströmung lässt sich davon nicht beeindrucken. Ihr aber vielleicht schon.

Checkliste für die Juni-Hochzeit

  1. Jacke oder Stola für die Braut, passend zum Kleid. Wer friert, lächelt auf Fotos schlechter.
  2. Decken für die Gäste, zum Beispiel als Gastgeschenk auf den Stühlen der freien Trauung.
  3. Heizstrahler oder Feuerschalen für den Abend, vorher mit der Location klären.
  4. Ein Zelt mit Seitenwänden, denn bei Nordwestwind hilft ein offenes Dach allein wenig. Wie ihr das richtig mietet, steht im Ratgeber Hochzeit bei Regen.
  5. Transparente Schirme für Schauer zwischen Trauung und Sektempfang.
  6. Eine Entscheidungsregel: Wer entscheidet am Vortag, ob die Trauung nach drinnen zieht?

Und falls es doch regnet: Der deutsche Volksglaube hat dafür einen schönen Trost. „Wenn es der Braut in den Kranz regnet, ist die Ehe gesegnet.“ Woher der Spruch kommt, erklären wir im Ratgeber Regen am Hochzeitstag.

Schafskälte, Siebenschläfer, Hundstage: Der Sommer im Volkskalender

Die Schafskälte ist nur ein Kapitel im Wetterkalender des Sommers:

  • Medardus (8. Juni) und Barnabas (11. Juni): Zwei Lostage mitten in der Schafskälte, beide mit Regeln über 40 Tage Regen. „Regen an St. Barnabas, währet 40 Tage ohne Unterlass“ stimmt so nicht. Laut DWD ist es um den 10. bis 12. Juni aber in gut der Hälfte der Jahre nasser als normal.
  • Siebenschläfer (27. Juni): Die bekannteste Sommerregel. Unser Datencheck zum Siebenschläfertag zeigt, warum sie eher für Anfang Juli gilt.
  • Hundstage (23. Juli bis 23. August): Die traditionell heißeste Zeit des Jahres.

Was sind die Hundstage?

Die Hundstage sind die Zeit vom 23. Juli bis 23. August, die traditionell als heißeste Phase des Sommers gilt. Der Name stammt vom Sternbild Großer Hund mit dem hellen Stern Sirius, dessen Aufgang in der Antike mit der größten Sommerhitze verbunden wurde. Die Römer legten den Zeitraum fest. Wegen der Präzession der Erdachse geht Sirius in Deutschland heute erst um den 30. August auf, also rund vier Wochen später als damals. Der Name ist geblieben, auch im Englischen („dog days“) und Französischen („canicule“).

Für Hochzeiten in diesem Zeitraum heißt das: Nicht die Kälte ist das Thema, sondern Hitze und Gewitter. Schatten, Wasser und eine Trauung am Vormittag helfen mehr als jede Bauernregel. Wer im Volksglauben dafür zuständig ist, erklärt unser Ratgeber Petrus und das Wetter.

Fazit

Die Schafskälte ist ein Kälteeinbruch zwischen dem 4. und 20. Juni, am häufigsten um den 11. Juni, ausgelöst durch polare Luft aus Nordwesten. Laut DWD ist es vom 10. bis 12. Juni in rund 80 Prozent der Jahre kühler als normal, ein kräftiger Kälteeinbruch ist mit dem Klimawandel aber seltener geworden. Unsere Daten für zwölf Hochzeitsorte zeigen das gleiche Bild: Meist sind es ein bis drei kühle Tage in einem sonst milden Monat. Für Juni-Hochzeiten heißt das: nicht verschieben, sondern Jacke, Decken, Zelt mit Seitenwänden und eine klare Regenregel einplanen.

Häufige Fragen

Wann ist Schafskälte?

Die Schafskälte kommt meist zwischen dem 4. und 20. Juni, am häufigsten um den 11. Juni. Sie hat kein festes Datum wie ein Lostag, sondern ist eine sogenannte Singularität, also ein Wetterabschnitt, der zu einer bestimmten Jahreszeit gehäuft auftritt. In manchen Jahren fällt sie ganz aus, in anderen dauert sie mehrere Tage.

Warum heißt es Schafskälte?

Weil die Schafe zu dieser Zeit traditionell bereits geschoren sind. Der Kälteeinbruch im Juni trifft die frisch geschorenen Tiere besonders hart, weshalb Schäfer ihn früh als eigenen Wetterabschnitt wahrnahmen. Der Name hat sich seither als Bezeichnung für den kühlen Witterungsabschnitt Mitte Juni gehalten.

Wie oft gibt es die Schafskälte?

Das hängt von der Definition ab. Der Deutsche Wetterdienst nennt für den 10. bis 12. Juni eine Wahrscheinlichkeit von etwa 80 Prozent für unterdurchschnittliche Temperaturen. Strenger definiert als ausgeprägter Kälteeinbruch sank die Häufigkeit dagegen von 73 Prozent im Zeitraum 1921 bis 1990 auf etwa 33 Prozent in den letzten 30 Jahren.

Wie kalt wird es bei der Schafskälte?

Spürbar, aber nicht frostig. Im Juni 2024 lag die deutschlandweite Tagesmitteltemperatur während der Schafskälte laut DWD unter 12 °C, normal sind im Juni etwa 16 °C. Tagsüber bleiben die Höchstwerte dann oft unter 18 °C, nachts kann es in einstellige Bereiche gehen. Dazu kommen häufig Schauer und Wind aus Nordwest.

Sollte man im Juni heiraten, wenn die Schafskälte droht?

Ja, aber mit Vorbereitung. Die Schafskälte macht einzelne Tage kühl und nass, nicht den ganzen Monat. In unseren Daten lagen die Höchstwerte vom 4. bis 20. Juni in den meisten Hochzeitsorten im Mittel bei 21 bis 25 °C. Plant Jacke, Decken und einen überdachten Plan B ein, dann ist ein kühler Tag kein Drama.